Wer ist das eigentlich?

...eine Frage, die ich mir mittlerweile auch öfter morgens vor dem Spiegel stelle.

Eine allumfassende Antwort habe ich bislang auch noch nicht für mich gefunden. Vielleicht gelingt es mir in den sechs Monaten auf Tour?

Um der Fragestellung in Bezug auf diese Reise gerecht zu werden, muss ich etwas weiter ausholen.

 

Als ich im Jahr 2007 meinen Motorradführerschein in den Händen hielt, war die Begeisterung darüber, nun sagen wir durchwachsen. -Bei mir war sie enorm und der Antrieb mich dafür abendfüllenden Theoriestunden mit autoführerscheinhungrigen, handydaddelnden Teenagern über zulässige Anhängelasten hinzugeben.

 

Bei meinen Eltern traf das ganze dagegen schon auf deutlich weniger Zuspruch. Wenn ich mir etwas in Verbindung mit fahrbaren Untersätzen in den Kopf gesetzt hatte und es nicht gerade an der Finanzierung scheiterte, wurde nicht lange gefackelt. Rückblickend kann ich meine Eltern jedoch mehr als verstehen und habe mehr als einmal feststellen müssen, dass der späte Motorradführerscheinerwerb sich lebensverlängernd auf mein Dasein ausgewirkt hat.

 

Seit damals habe ich eine durchaus ansehnliche Anzahl von Kilometern auf diversen motorisierten Zweirädern verbracht. Nicht alle waren rückblickend ein Genuss (das bezieht sich jetzt auf die zurückgelegten Kilometer), doch die, die es waren, haben mich geprägt und immer weiter getrieben.

Motorradfahren ist für mich keine Religion, keine mystische Tätigkeit, der man nur in ganz bestimmten Geisteszuständen nachgehen kann. Es ist einfach ein intensives Erlebnis, das so viel intensiver als alle anderen Fortbewegungsarten für mich ist, dass ich es um keinen Preis mehr missen möchte. Wer einmal ganz bewusst die Gerüche, Kräfte, Beschleunigungen, Geräusche und Empfindungen auf einem Motorrad beim Surfen durch die Landschaft wahrgenommen hat, weiß wovon ich spreche.

Darüberhinaus ist das Reisen mit dem Motorrad unmittelbarer und man kommt viel leichter mit Menschen in Kontakt. Gerade in der heutigen von Ignoranz und Egozentrik geprägten Zeit ist das ein Erlebnis, das mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Vielleicht liegt es wiederum an der Unmittelbarkeit des Reisens, dem Fehlen von Abschottung gegen die Umwelt, dass es soviel leichter ist mit Menschen in Kontakt zu kommen. Oft genug habe ich auf Reisen erleben dürfen, dass die Menschen viel aufgeschlossener, hilfsbereiter und gastfreundlicher waren, wenn man nicht im geschlossenen Bürgerkäfig durch ihre Vorgärten raste.

Zugegeben, mit dem Motorrad sollte man das vielleicht auch nicht unbedingt in Erwartung einer positiven Reaktion tun.

 

Noch immer unbeantwortet blieb jedoch bis zu dieser Stelle die Frage, wer ich nun bin? Macht Euch selbst ein Bild davon und begleitet mich!