Das Gefährt für den Trip

...und irgendwann wurde es dann doch ernst.


Am 27.12.2016 holte ich sie ab. MEINE KTM 690 Enuro R. Nagelneu. Das erste und vermutlich einzige motorisierte Fahrzeug, dass ich mir neu gekauft habe und je kaufen werde. Sonst hab ich es nicht so mit dem ganzen Neukrams. Aber hier sollte es so sein. Ich wollte der Erste sein, der diesen Eintopf auf öffentlichen Straßen (und abseits davon) mit zündfähigem Gemisch füttert. Wenn dabei was schief liefe, dann wollte ich wissen, dass a) ich der Trottel war und b) was genau passiert ist, um ggf. noch rettende Maßnahmen einzuleiten.

 

Danach kam dann lange erst mal nichts. Silvester, Skiurlaub, Dienstreisen, Teile bestellen... -Ja. Teile bestellen. Da ist wie wenn große Jungs ständig Weihnachten feiern. Zumindest solange es das Konto hergibt. Und ich hab in der Folgezeit nach dem Kauf ganz schön viel Weihnachten gefeiert. Teile wurden bestellt in England, in Australien, in den USA, in Deutschland, über Internetseiten der Anbieter, Amazon, ebay und wie sie alle heißen. Einige Teile kamen per Post, einige per Koffer. Viele per Koffer...

Darunter waren dann eine tourentaugliche Sitzbank (die originale Bank ist eher als Folterinstrument zu betrachten), Beleuchtung, Zusatztank, ein anderer Auspuff, ein Spannungswandler, Navihalter, Taschen, Taschenhalter und so weiter, und so weiter.

 

Irgendwann gab es dann keine Ausreden mehr. Die Kati musste fertig werden und endlich ihr Kennzeichen erhalten. Am 15.05.2017 war es soweit. Ab da begann der Wertverlust. Positiv formuliert: Ab da ging es endlich ans Fahren. Der erste Einsatz war denn auch gleich ein 1000km Wochenende zum Horizons Unlimited Treffen in Sippersfeld und zurück. Direkt danach war es Zeit für die erste Inspektion. Soweit alles schön? Ja, aber... Frau Kati entwickelte nämlich auf der ersten Tour einen deutlichen Öldurst. Das teilte ich dem Händler mit, wir werden sehen. Und wir, als ich, sollten ganz schön schnell sehen. Denn ab Anfang August geht's für die Gute in den Container nach Chile.

 

Was ist bis dahin noch zu tun?

 

Stand heute, 06.07.2017

Ich muss noch den Zusatzscheinwerfer anbauen und anschließen. Der Kettenöler liegt zwar bereits auf der Werkbank, aber da nützt er der Kette nichts. Ein geringfügig größeres Kettenblatt muss noch am Hinterrad verbaut werden. Reifenhalter, zumindest für das Hinterrad fehlen noch. Das Werkzeugset ist noch nicht zusammengestellt. Der Motorschutz mit dem großen Ölkühler ist noch nicht verbaut, die hintere Gepäckbrücke fehlt noch, ist aber unterwegs. Der vordere Ritzelschutz ist noch nicht montiert, die Reifen für die Tour sind es auch noch nicht. Da muss ich unbedingt vor dem Verladen noch tätig werden.

Ansonsten fehlt noch das Navi und sein Halter, zumindest letzterer ist jedoch seit einiger Zeit irgendwo unauffindbar unterwegs. Die Verschlauchung des Safaritanks muss noch geändert und optimiert werden, der Spannungswandler muss auch noch etwas versetzt werden. Die Ersatzbenzinpumpe für den Originaltank im Heck muss noch beschafft und verschlaucht werden, bzw. ich muss die original verbaute Pumpe noch aus dem Tank reißen und die Verschlauchung so ändern, dass ich im Pannenfall die Ersatzpumpe nur noch einsetzen muss. Weiterhin fehlt noch ein Tankrucksack. Sowas ist generell nie blöd zu haben. Für Kamer und weiteren Kleinkram.

Dann fehlt noch eine weitere Lenkererhöhung und vielleicht lasse ich mir doch noch Fußrasten anfertigen. Bei langen Stehpassagen dürften die Originalteile nicht der Weisheit letzter Schluss sein...

 

Es gibt also noch eine ganze Menge zu tun und zu besorgen. Wird am Ende eh eng.

 

Immerhin ist der Containerplatz für die Katie schon bestellt. Jetzt gehen noch einmal 1650,00€ dafür weg (ein in meinen Augen absolut fairer Preis für "ein Motorrad einmal um die halbe Welt schicken"). Es bleibt spannend.

 

...und blieb es bis zum Schluss. Am 18.8. sollte ich abends von einer Dienstreise zurückkommen. Mitternacht wäre ich zu Hause gewesen, am 19.08. sollte es dann mit dem Transporter und Katie gen Göppingen zum Container gehen. Hätte klappen können... Wenn nicht ein Unwetter über dem Münchener Flughafen den Flieger zur Zwischenlandung in Stuttgart gezwungen hätte, wo wir eineinhalb Stunden auf dem Rollfeld herumstanden. Kurz bevor der Flieger dann endlich nach München startn konnte bekam ich die Nachricht, dass der Anschlussflug nach Hannover nun zum Einsteigen bereit sei. Toll. Leider ohne mich. Und es war der letzte Flug an diesem Abend. Der nächste ging am Folgetag 11:30 Uhr. Und da wollte ich eigentlich bereits auf Höhe Kassel sein. Wollte...

 

Nun kam es also anders als geplant. Eigentlich eine gute Vorbereitung für den Trip. Denn da wird auch einiges anders kommen als geplant. Ende vom Lied war, dass wir das Motorrad gegen Mitternacht auf einem stillgelegten Fabrikgelände in einen Busch schoben und uns ins Bett verkrochen. Am Montag kamen dann die erlösenden Bilder von Katie im Container.

 

Die letzte Meldung des Schiffes kam letzte Woche und wies eine Position auf Höhe Kolumbien aus. Übermorgen, am 27.09.17 soll der Kahn in Valparaiso anlegen und da wird dann Katie auf mich warten.

 

Ich fliege am Samstag, den 30.09.17 los und werde die Mopete am 2.10. endlich aus dem Hafen holen.