Vorbereitungen

25. September 2017

 

Eigentlich sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Höchste Zeit mal kurz darauf einzugehen.

Denn eins ist klar. An einem Sonntag Nachmittag ist ein halbes Jahr Auszeit nicht eben so geplant und organisiert. Insgesamt habe ich damit bis zum jetzigen Zeitpunkt etwa eineinhalb Jahre gebraucht, wenn ich bis zur ersten Idee zurückdenke, sogar länger.

 

Ganz wichtig ist zu nächst die Überlegung was man machen möchte. Allein dafür habe ich mir lange Zeit genommen und das war auch gut so. Neben den finanziellen Möglichkeiten ist es auch die Frage des wie und was?

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung für das Motorrad entschieden. Die Unmittelbarkeit des Reisens, das direktere Erlebnis und das leichtere "In Kontakt Kommen" mit Einheimischen haben mich dazu bewogen. Außerdem ist so geeignetes Motorrad unter schwierigen Straßenbedingungen (und die Regenzeit in Südamerika wird für schwierige Bedingungen sorgen) einfacher zu handhaben als ein schweres Auto, bei dem neben den Anschaffungskosten auch Transportkosten ein größeres Loch ins Budget reißen dürften.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung als Motorradfahrer habe ich mich für meine Katie entschieden. Leichter als vergleichbare Motorräder, sehr offroadtauglich und verhältnismäßig einfach zu warten. Nicht ohne Schwachstellen, aber die sind bei der KTM 690 Enduro R hinlänglich bekannt und lassen sich (teilweise) bereits im Vorfeld abstellen. Hinzu kommen lange Wartungsintervalle und eine Vielzahl von An- und Umbauteilen, um aus einer Hardenduro ein fernreisetaugliches Motorrad zu machen. Das habe ich gemacht, doch dazu später mehr.

 

Die Überlegungen in Bezug auf meine Ausrüstung waren intensiv, langwierig und durchaus gab es auch Entscheidungen, die ich korrigieren musste. Gerade bei so essenziellen Dingen wie der Kombi. Da gab es dann schon die ein oder andere Retoure zum Lieferanten.

 

Auch das Thema Flüge beschäftigte mich eine ganze Weile. Hinzu kamen natürlich organisatorische Punkte wie meine Freistellung von der Arbeit, Bildungsurlaub, um Spanisch zu lernen, Transport des Motorrads, die Frage was mit meiner Wohnung während meiner Abwesenheit wird und so weiter.

Ein wirklich wichtiger Punkt -und hier hilft ein guter Versicherungsvertreter (keiner vom Typ: "Schau mal was ich hier schönes für Dich habe, Schätzelein!") enorm weiter, sind die benötigten Versicherungen vor Ort, sowie der Status der Versicherungen zu Hause in Abwesenheit. Hier hat mir mein langjähriger Berater Lutz Wilhelm von http://www.wb-finanzberatung.de/ sehr geholfen. So konnte ich meine Aufmerksamkeit derweil auf andere Aspekte der Vorbereitungen lenken.

 

Auch das Thema Impfungen sollte frühzeitig angegangen werden. Gerade bei Hepatitisimpfungen muss mit einem etwas längeren Zeithorizont geplant und geimpft werden. Auch Tollwutimpfungen erfordern zumindest ein paar Wochen, wobei hier die Einhaltung der zeitlichen Abstände zwischen den Impfungen wichtig ist. Ich bin im Vorfeld zum örtlichen Gesundheitsamt gegangen und habe mich über die notwendigen und sinnvollen Impfungen informiert.

 

Im Endeffekt kann ich nur jedem raten wirklich frühzeitig mit der Planung und Organisation zu beginnen. Es wird gegen Ende noch stressig genug. Gerade in den letzten Wochen und Tagen vor der Abreise fallen einem noch tausend Dinge ein, die zu erledigen wären.

 

27. September 2017

 

In drei Tagen geht es los. Die To Do Liste wird langsam übersichtlicher. Trotzem... Es ist noch reichlich drauf. Meine Gelbfieberimpfung hat sich im Endspurt doch noch als Problemfall herausgestellt. Beim Termin gestern teilte mir die Ärztin mit, dass sie mich nicht impfen könne. Die letzte Impfung (Tollwut) lag erst eine Woche zurück. Soll-Abstand sind vier Wochen. Und nun? Schulterzucken. Seit März bin ich regelmäßig zum Impfen gewesen, die Impfung war mehrfach Thema. Dass es da Fristen zu beachten gäbe, erfuhr ich gestern. Meine Begeisterung darüber nähert sich der Unendlichkeit.

Zum Glück habe ich noch einen Arzt gefunden, der mich am Freitag impfen wird. Auf dem Weg nach Frankfurt, zum Flughafen. -Bilder eines Drive in flackern vor meinem geistigen Auge auf: Arm aus dem Fenster, Spritze rein, der Nächste.

 

So anstrengend die letzten Tage vor der Abreise sind, so kurz die Nächte, weil mir immer wieder Dinge einfallen die ich unbedingt noch erledigen muss, so traurig der Abschied von den wichtigsten Menschen war, ist und sein wird. Ich mache drei Kreuze wenn ich endlich im Flieger sitze. Noch mehr Kreuze mache ich, wenn ich dann am Sonntag, bepackt wie ein Esel, in Valparaiso ankomme und auf den Rest der Freunde der knatternden Fortbewegung  treffe. Alles Weitere wird sich dann finden. Termine gibt es dann -abgesehen von der Sprachschule in Quito, dem Eintreffen meiner jüngsten Schwester und ihres Freundes und meinem Rückflug, nicht mehr. Was ich dabei habe, wird reichen müssen. Was ich nicht dabei habe muss irgendwie substituiert werden. Oder es ist einfach unwichtig.

 

Heute Morgen stand ich unter der Dusche und dachte mir, dass wir doch verdammt luxuriös leben. So eine warme Dusche am Morgen, jeden Morgen, das ist schon etwas Feines. Und etwas, das ich in den nächsten Wochen und Monaten nicht mehr regelmäßig, wahrscheinlich eher selten haben werde.

 

Im Moment werde ich oft gefragt, ob die Aufregung und die Vorfreude groß seien. Ja und nein. Aufregung ja. Etwas völlig Neues steht an. Vorfreude im Moment eher nicht so. Aber das ist -so komisch es klingt- auch irgendwie gut so. Denn die Aussicht 6 Monate weg von allem zu sein hilft auch dabei zu erkennen wo die eigenen Wurzeln liegen. Etwas, das in der heutigen "Höher-Schneller-Weiter" Zeit oft aus den Augen verloren wird. Geht mir zumindest so. Vielleicht bin ich damit ja nicht allein.

 

Nun sind sie also angebrochen, die letzten Tage vor dem Abenteuer. Vorzubereiten gibt's noch einiges und während ich hier schreibe tickt die Uhr. Ziemlich laut. Aber es wird wohl eine ziemliche Punktlandung. Das nächste Mal werde ich weiter im "Reiseblog" schreiben. Ich bin gespannt.

 

Bis dahin.