27. März 2018

 

Gelandet in Frankfurt, unter einem grauen Himmel stand ich plötzlich wieder in Deutschland.

 

Und am Ende bleibt...

 

...die Erkenntnis, dass ich zwar ärmer an Geld aber reich an Erfahrungen zurückkehre. Habe ich je bereut die Reise zu machen? Nein. Es gab Momente, in denen nicht alles "toll" war. In denen ich genervt oder frustriert war. Doch einerseits stellt sich die Frage, warum mich das Leben damit verschonen sollte und rückblickend verschwinden sie sowieso im Rückspiegel der Erinnerungen. Andererseits hatte ich in der Liste der buchbaren Extras für diese Tour bei "Maximalkomfort" vergessen ein Kreuz zu setzen.

 

Was bleibt ist Dankbarkeit. Dafür, die Möglichkeit gehabt zu haben, den Traum wahr werden zu lassen.
Für die vielen Erfahrungen. Die Begegnungen und die erlebte Freundlichkeit wildfremder Menschen, die nicht selten zu Freunden wurden. Für Momente unglaublicher Schönheit und tiefempfundenen Glücks. Für nachdenklich machende Bilder von Armut und Elend, hielten sie mir doch immer wieder vor Augen, dass ein Leben in Wohlstand ein Privileg, aber keine Selbstverständlichkeit ist.


Für Bilder von lachenden Menschen, unglaublich schöner Orte, von Sonnenauf- und Sonnenuntergängen, von Stränden, Wüsten und Bergen, von fliegenden Kondoren und Weite, die es dem Auge fast unmöglich machte sie zu erfassen.
Für die Momente alleine auf dem Motorrad, in den frühen Morgenstunden. Wenn die Landschaft vorbeiflog, der Wechsel von Licht und Schatten meine Sehnerven reizte, das Grün des Urwaldes mich umschloss, der Fahrtwind angenehm die Hitze aus der Kombi vertrieb oder der Dunst des Meeres mein Visier vernebelte.
So könnte ich wahrscheinlich noch seitenweise Bilder aus meinen Erlebnissen dieser Zeit zusammentragen, die mich hoffentlich noch weit in die Zukunft begleiten.
Wenn der Alltag grau und das Wetter nasskalt sind, bleiben die Leuchttürme meiner Erinnerung.

 

Auch wenn viele Begegnungen mit Menschen entlang meiner Wege flüchtig waren, waren sie doch selten oberflächlich.
Südamerika spiegelt sich in so viel mehr wieder als Musik und Lachen. Und doch, an vielen Orten hallt Musik und das Lachen von Menschen wider, die wenig haben und doch oft zufriedener sind als wir, mit all unseren Dingen.

 

Diese Reise hat meinen Blick geschärft. Für die Details. Die kleinen Dinge, die das Leben bereichern und in der Hektik des Altags oft untergehen. -Ihnen nachzujagen lohnt sich! Sie sind die hellen Momente, die das Dasein zu dem machen, was es für uns alle sein sollte: Wunderbar. Abseits von Kontoständen und Cocktailparties, von teuren Autos und großen Häusern.
Mit viel mehr Gelassenheit, die zu erlernen mir immer noch nicht wirklich gelungen ist. Mit der Freude am Erlebten und nicht am Gekauften. Denn diese Freude ist flüchtig. Erinnerungen bleiben.

 

Unterwegs lernte ich wieder mit wie wenig man auskommt. Die Beschränkungen des Stauraums des Motorrades waren gar nicht beschränkend, wie sie anfänglich erscheinen. Doch oft braucht es eine Weile das zu erkennen. Das alleinige Reisen nach der Hälfte der Zeit war nicht einsam. Im Gegenteil. Wohl nie vorher habe ich in so kurzer Zeit so viele Menschen kennengelernt. Einheimische und Reisende wie ich selbst. Aus geplant kurzen Zwischenstopps wurden ungeplant lange Aufenthalte. -Es waren die Besten.
Nachdem ich einmal die vermeintlich schützenden Raum meiner sozialen Blase verlassen hatte, eröffnete sich mir so viel Neues! Es war fantastisch.

 

War es gefährlich? Nein. Nicht gefährlicher als an einem Sonntagsmorgen zum Bäcker zu gehen. Da übersehe ich im Tran auch mal, dass die Fußgängerampel noch rot ist.
Es gibt Sachen, die verbietet der gesunde Menschenverstand. Wer nachts in einer Großstadt wie Bogota Geld vom Automaten abhebt, nun ja. Der kennt hoffentlich das Risiko. Nachts in Peru unterwegs zu sein ist auch nur die zweitbeste Idee. Besonders mit dem Motorrad.

Es gab kritische Momente. Doch waren die eher das Ergebnis meiner unbedarften Fahrweise als fremdverursachter Einwirkung. Gerade an den Orten,. vor denen ich zu Hause oft und eindringlich gewarnt wurde, habe ich mich am sichersten gefühlt. Vielleicht hatte ich auch nur Glück.
Ein Freund wurde in Peru, in den Bergen, überfallen. Andere am Strand. Wieder andere auf bewachten Campingplätzen und auch die Ordnungshüter waren sehr vereinzelt eben nicht der "Freund und Helfer". Es waren glücklicherweise absolute Einzelfälle zu denen ich aus meiner eigenen Erfahrung nichts beisteuern kann. Die überwältigende Mehrheit trug dazu bei, dass meine Reise zu dem wurde, was sie für mich war: Einmalig.

Letztlich gibt es hier, wie im Rest der Welt, keine absolute Sicherheit und die kann es nie geben. Nirgends. Ich kann in Rom genauso bestohlen werden wie vor der eigenen Haustür. Ein Betrunkener kann mich über den Haufen fahren. Ob in Bolivien oder Hannover. Das Ergebnis ist das gleiche und soll an dieser Stelle nicht verharmlost werden.

 

Sollte man auf die Zweifler und Angsthasen hören? Nein. Nehmt es ihnen nicht krumm. Sie können es nicht besser wissen. Die Welt da draußen ist viel besser als ihr Ruf. Die Menschen sind viel besser als man uns glauben machen möchte. Schwarze Schafe gibt es überall. Mit etwas Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl wird man kein Opfer. Kommt noch eine Prise Glück dazu, begegnet man ihnen gar nicht.

Ich komme wieder. Und wenn es nach mir geht, dann nicht nur kurz. Das wäre die Erfüllung meines Versprechens an mich selbst.

 

Und so endet das Abenteuer "Südamerika auf zwei Rädern" und dieser Blog.

 

Danke fürs Mitreisen.

Thomas