Chile

01. Oktober 2017

 

Endlich angekommen in Valparaiso, Nach der Landung in Santiago ging es zum Busbahnhof und von dort mit einem anderen Bus nach Valparaiso, Von da aus nahm ich mir mit meinen sensationellen (nicht existenten) Spanisch ein Taxi. Die Schwierigkeit lag darin, dass offensichtlich nur bestimmte Taxis bestimmte Bezirke anfahren. Mit meiner Motorradkombi, den Stiefeln, meinem Helm über der Schulter und dem Koffer auf dem die beiden Motorradreifen lagen, sah ich wohl aus wie ein abgerissener Alien. Gefühlt waren alle Blicke auf mir. Irgendwann kam ich dann doch am Hostel an, wo zwei meiner Kollegen bereits auf mich warteten. Das Hostel ist wie so viele hier echt witzig aufgebaut. Mit Wendeltreppe, Zirkustrapez und Heizpilz in der Küche, bzw. dem Aufenthaltsraum, 

Valparaiso

Valparaiso liegt direkt am Hafen, aus dem wir morgen unsere Motorräder abholen wollen.

Die Stadt hat viele alte Gebäude. Durch die bergige Lage gibt es viele steile Straßen und wahre Schluchten. Um den Aufstieg zu vereinfachen gibt es hier sogenannte "Lifts". Es gibt unglaublich viele Bars, Hostels, B&B's, Restaurants und Kneipen. Überall bieten Straßenhändler ihre Sachen an, aus vielen Ecken dringt Musik, große Hunde, die allesamt friedlich durch die Straßen schlendern und unglaublich viele Graffitis prägen das Bild der hügeligen Stadt. Echt schön hier!


Bilder aus "Valpo"

02. Oktober 2017

 

Wir sind immer noch in Valparaiso. -Klingt negativ, ist aber gar nicht so gemeint. Im Prinzip ist es zwar ein Zwang noch hier zu bleiben, da die Tasche des einen Mitstreiters auf dem Flug verloren gegangen ist. -Naja... 76 Stunden Reisezeit von Deutschland nach Valparaiso sprechen schon für sich. Darunter ein abgebrochener Start und eine Umkehr inklusive Kerosinablassen. Wenn dann noch die große französische Airline mit ins Spiel kommt, dann werden Befürchtungen wahr. Und die haben sich leider vollends bestätigt.

 

Heute waren wir beim Anwalt hier in Valpo, um die Zolldokumente fertig machen zu lassen. Hat auch soweit alles geklappt. Wir haben unsere temporären Fahrzeugpapiere. Nur die Motorräder, die sollten bereits am Samstag aus dem Container geladen werden. Wurden sie aber nicht. Somit können wir sie erst morgen abholen. Aber auch das ist kein Beinbruch. Die Stadt bietet mehr als man in zwei Tagen erkunden kann. 

 

Das Bild rechts ist mal ein kleiner Blick in unser Hostel. Echt witzig. Einfach, Türen und Fenster sind offen. Egal ob geöffnet oder geschlossen. Ist halt so. Da merkt man mal wieder auf was für einem hohen Niveau wir leben. Dabei erwarten uns noch ganz andere "Absteigen". Schadet auch nicht. So wird man geerdet und bekommt mal wieder einen gesunden Blick auf unseren, als selbstverständlich empfundenen Lebensstandard.

03. Oktober 2017

 

Heute war es endlich soweit. Die Motorräder standen im Zollager zur Abholung bereit. Das hieß dann noch ein paar Stempel auf ein paar Formularen und warten. Der Zoll musste noch die Rahmennummern unserer Gefährte gegenprüfen. Zwei Stunden Warterei vergingen... nicht wie im Flug. Aber irgendwann kam der nette Chilene, der uns zur Seite gestellt wurde auf uns zu, winkte fröhlich und wir? Packten unser Pennerlager aus Plastiktüten, Taschen, Koffern, Packtaschen, Helmen, Kombis, Handschuhen, Rucksäcken und was der spartanische Motorradreisende sonst noch so mit sich führt und hasteten im vollen Ornat in die Lagerhalle, in der zwischen allerlei Kartons, Kisten und Schwerlastregalen unsere Motorräder standen.
Der freundliche Zollbeamte vor Ort schien einer Gruppe Auszubildender die Regeln seiner Arbeit vermitteln zu wollen. Einer nach dem anderen durfte an sein Motorrad treten, die Rahmennummer wurde verglichen, Taschen wurden geöffnet, um sie nach kurzer Inspektion wieder schließen zu lassen und es wurde gefragt, on wir Marihuana bei uns hätten. "Klar, willste auch was?" dachte ich kurz bei mir. Er wünschte uns eine gute Reise und war verschwunden. Wir konnten endlich unsere Mopeds beladen! Das Taschentetris konnte wieder beginnen. Nach eineinhalb Stunden rollten wir in die Sonne hinaus. Die Ausfahrt aus dem Zollager verhinderte dann lediglich ein fehlender Stempel-Dokument-Irgendwas. Nach Rücksprache mit dem Büro war es lediglich ein Dokument, das wir nicht vorgezeigt hatten. Und endlich waren die Mopeds frei. Da ich noch einen Satz Reifen dabei hatte, gestalteten sich die ersten Meter etwas wackelig, denn mit Kabelbindern, billigen Spanngurten und einem Koffergurt waren die Reifen links und rechts an meinen Packtaschen eher schlecht als recht verzurrt. Sollte ja nur bis zum nächsten Reifenservice halten. Ging schon irgendwie. Ein marrokanisches Dromedar hätte kaum beladener sein können.
Nach dreißig Kilometern die erste Tankstelle, Zeit die Spritfässer aufzufüllen. Bei der Abfahrt gab es eine kurze Meinungsverschiedenheit mit den lokalen Vertretern der omnipräsenten Köterriege, was mein Fortkommen aus der Tankstelle deutlich beschleunigte. An der nächsten Bushaltestelle endete meine Fahrt und die überladene Österreicherin war nicht mehr zur Weiterfahrt zu bewegen. Alle Kunstgriffe, Flüche, Beschwörungen, nichts half. Der Anlasser sagte kurz "Klack" und himmliche Ruhe war aus den Tiefen des Eintopfes zu vernehmen. Die erste Panne. Abpacken, Sitzbank abbauen, Multimeter auspacken und: Die Batterie hatte ein Spannungsproblem.
Mist. Ein Elektrikproblem. Nicht eben meine Spezialität. Zum Glück stand ich nicht lange in der Bushaltestelle, angebrüllt von Autos und Lkw ohne Auspuffanlage, die hupend an uns vorbeiflogen. Die Suche nach dem Fehler im System ließ sich recht schnell auf die Spannungsversorgung eingrenzen. Am Ende war es eine kleine Sache: Ein Kabel am von mir umgerüsteten Spannungsregler war zwar vorbildlich isoliert, hatte jedoch keinen Kontakt mehr zum restlichen Kabelbaum. Leider musste gefühlt das halbe Moped zerlegt werden, um der Ursache auf die Schliche zu kommen. Auch der gerade frisch gefüllte Zusatztank. Die Tankstelle war in Sichtweite...
Nach etwa eineinhalb Stunden tuckerte der Eintopf wieder munter. Ohne Starthilfekabel und versammeltes Knowhow in der Bushaltestelle hätte die Panne das Potenzial zu einer spannenden Abendunterhaltung gehabt.
Die anschließende Weiterfahrt war unspektakulär. Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht irrlichterten wir auf staubigen Wegen, suchend nach einem Campingplatz von dem jeder der Einheimischen wusste, dass er woanders war. Ich bin mir fast sicher, dass wir auf der Suche mehr Sprit verbrannt haben als auf den 40 Kilometern davor.

Letztlich fanden wir keinen Campingplatz, sondern eine Cabana. Einen Bungalow. Egal. Hauptsache ein Platz für die Nacht. 

 

Am kommenden Morgen konnte ich auch sogleich Kernseife als Multifunktionstool kennenlernen. Fast so vielseitig wie mein Leatherman! -Nicht dass man wie bei Oma früher damit seine Klamotten waschen kann. -Nein, nein! Auch als Montagemittel für bockige Motorradreifen ein ganz hervorragendes Zeugs!

04.  Oktober 2017

 

In den letzten Tagen stand vor allem eins auf dem Zettel: Fahren, fahren und fahren. Wir wollen nun zügig in Richtung Bolivien kommen. Dabei werden wir den Schlenker über den Paso San Francisco durch Argentinien mitnehmen. Wird spannend. Keine Ahnung wie sich 5000m Höhe anfühlen. Vermutlich recht dünn.

Die Fahrerei über die Route 5 entlang der Pazifikküste war abgesehen von ein paar Kurven und kalten Windböen eher unspektakulär. In Tongoy erreichten wir auf Camping Ripipa unser Tagesziel. Direkt am Strand schliefen wir in feinster Sandpanade. Mein persönlicher Sandvorrat für die nächsten Tage ist gesichert. Zelt, Schlafsack und Taschen sind gut gefüllt.
Weiter ging es in Richtung Norden an Copiapó vorbei auf der Route 5. Die Gegend änderte sich deutlich. Tankstellen kommen jetzt nur noch in gößeren Abständen, die Landschaft ist karg. Östlich von uns ist die Atakamawüste. Jetzt müssen die Tankstopps passen sonst kann es knapp werden. Der errechnete Verbrauch von Frau Kati liegt aktuell bei 4,5 Litern/100km. Auch der anfangs erschreckend große Öldurst scheint Geschichte zu sein. Heute habe ich nach etwa 900km in Südamerika einen Schluck nachgefüllt. Viel war es nicht und der Eintopf hat mit mir und und dem ganzen Gepäck schon etwas zu schleppen.

 

05. und 06. Oktober 2017

 

Nach einiger Fahrerei passierten wir Copiapó und fanden uns, der westlich der Stadt gelegene Campingplatz war noch geschlossen -die Saison startet erst, auf dem Gelände eines Agro Tourismo wieder.  Abends erlebte unsere Spezialität, Nudeln mit Thunfisch und Tomatensauce ein neues Topniveau, als Daniel und ich in einem kleinen Laden um die Ecke komplette Thunfischstücke in Dosen bekamen. Am Ende der Reise dürften wir Sternkochniveau erreichen.

 

Verglichen mit der Landschaft bis hierhin war dies eine echte Oase. Grün und mit Bäumen, sowie gelegentlich fließend Wasser stellten eine nette Abwechslung zur sonst verdorrten und kargen Landschaft dar.

 

Unterwegs taten wir uns noch als Fluchthelfer hervor. -Vermuten wir. Ein hektisch winkender kleiner Mann am Straßenrand des einsamen Highways bewegte und als vorbildliche Reisende zum Anhalten. Der Gute war mit seinem Auto wegen Spritmangel liegen geblieben und flehte uns an einen Liter aus unseren Tanks abzupumpen, um ihm die Weiterfahrt zu ermöglichen. 

Zunächst ist es ziemlich bescheuert in dieser abgelegenen Gegend mit Spritmangel liegen zu bleiben. Noch dazu als Einheimischer. Das grenzt eigentlich schon fast an Vorsatz. Nachdem wir ihm mit drei Litern aus einem Reservekanister ausgeholfen hatten, raste er mit seinem zerbombten Gerät von dannen. Dabei fiel mir auf, dass die ondulierte Front mit der zerdrückten Frontscheibe und dem eingedrückten Dach deutliche Zeichen einer Kollision aufwiesen. Im Nachhinein spannen wir Geschichten, dass der schräge Vogel vermutlich auf der Flucht war und wir ihn dabei unterstützt hätten. Wer weiß...

 

Nachdem der westlich von Copiaó gelegene Campingplatz noch nicht geöffnet war -die Saison startet erst, landeten wir auf dem Gelände eines Agro Tourismo.  Abends erlebte unsere Spezialität, Nudeln mit Thunfisch und Tomatensauce ein neues Topniveau, als Daniel und ich in einem kleinen Laden um die Ecke komplette Thunfischstücke in Dosen bekamen. Am Ende der Reise dürften wir Sternkochniveau erreichen.

 

 

Zuviel kam in den letzten Tagen zusammen. Die Taschen besch... gepackt, alles schlabberte beim Fahren herum, zu viele Klamotten zu waschen und -zumindest an Frau Kati, noch ein, zwei Dinge, die ich gerne umbauen wollte.
So wurde der Entschluss gefasst heute nicht weiter zu fahren, sondern noch eine Nacht auf dem Platz zu bleiben. Endlich konnte ich meine Gabeldeckel mit Entlüftern verbauen, um der Gabel nach strapaziösen Waschbrettpisten den eingepumpten Überdruck zu nehmen. Die Sonne brannte, Zeit die Klamottage zu waschen, wer weiß wann das nächste Mal Gelegenheit dazu ist.
Da die nächsten Kilometer über die Berge nach Argentinien viel Schotterpiste beinhalten, war es Zeit die Taschen wieder ordentlich zu packen. Das Herumgeschlabber beim Fahren ist gerade bei böigem Seitenwind mit meinen Heidenau Reifen echt ätzend. Ständig läuft das Hinterrad weg, was durch die Eigendynamik der Packtaschen noch verstärkt wird.
Zwischenzeitlich streikte mein Navi bis ich herausfand, dass eine sich partiell ablösende Displayfolie dafür verantwortlich war. Meine GoPro weigert sich seit gestern hartnäckig Bilder oder Filme aufzuzeichnen. Ständig erscheint die Meldung "SD Err". Schön wenn man sich so auf den überteuerten Mist verlassen kann.
Leider war in den letzten zwei Tagen WiFi Mangelware. Das gibt schon einmal einen guten Vorgeschmack auf Bolivien.

 

07. Oktober 2017

 

Die Fahrt Richtung Argentinien, über den Paso San Francisco endete auf 3500m an einer Mine. Bei einem Kaffee wurde uns mitgeteilt, dass der Übergang nach wegen Schnee geschlossen sei. -ALLE Grenzübergänge nach seien noch bis 01. November geschlossen. Die Alternative sieht jetzt wohl so aus, dass wir Richtung Norden nach Peru und von dort hoffentlich weiter nach Bolivien kommen.
Immerhin war die Fahrt bis zu besagter Mine für einen büroverwöhnten Drehstuhlpiloten wie mich ein echtes Highlight. In der Vergangenheit dachte ich immer: "Wüste. Naja. Sand, kein Wasser, Wind, das war's." Ich habe mich geirrt. Schon die Einfahrt in die Ausläufer der Atakamawüste war faszinierend. Berge, Sand, Geröll, das Licht und das Bewußtsein: Hier sind wir ganz allein! -Das war so faszinierend wie die insgesamt bizarre Landschaft mit ihrer -Überraschung- Vielfalt. Als wir um eine Biegung kamen waren da Schilfgrasinseln und darin grasende Pferde. In der Wüste.
Leider war die Fahrerei nicht so ganz einfach. Meine Reifen mögen einfach keine Längsrillen, von denen es in der festgefahrenen Erdoberfläche der Straße jedoch reichtlich gab. Im Zusammenspiel mit böigen Seitenwind und dem beladenen Motorrad stellte sich bisweilen das Gefühl ein, auf Eiern zu fahren. So ganz eingespielt sind Kati und ich noch nicht. Das Bremspedal ist in Folge der tiefergelegten Fußrasten zu hoch. Fahre ich im Sitzen geht das  irgendwie. Im Stehen, auf Schotterpassagen jedoch kennt meine Hinterradbremse nur noch zwei Betriebszustände: offen oder geschlossen. Geschlossen bedeutete in einer Kehre mit Schotter, dass ich elegant abstieg während Kati es sich unter mir im Schotterbett bequem machte. Nix passiert, jedoch ist nun klar, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.
Nach unserem erfolglosen Versuch die Grenze zu überqueren endete der Tag fast da, wo er begonnen hatte. Unweit von Copiapó erreichten wir einen Campingplatz in Caldera über endlos langweilige, schnurgerade Autobahn.

08. Oktober 2017

 

Um nun doch noch nach Bolivien und auch Argentinien zu kommen, fiel der Entschluss weiter nach Norden zu fahren. Der Paso de Jama muss offen sein. Über ihn würden wir direkt nach Argentinien gelangen. 

Das bedeute im Umkehrschluss, dass wir die Routa 5 weiter nach Norden fahren müssen. Autobahn- bzw. Schnellstraßenkilometer. Schöne Grüße von den Reifen, die die Fahrerei auf derartigen Straßen in der Regel mit vorzeitigem Verschleiß quittieren. In Ermangelung an Alternativen blieb uns jedoch keine andere Wahl. Linker Hand der kalte Pazifik, rechts Berge. Graue Wolken über dem Ozean, ärmliche Behausungen und Bretterbuden waren unsere Begleiter. In Paposa suchten wir nach einem Platz für die Nacht. Dabei rannten wir in eine gestrandete Gruppe der Chilenischen Hells Angels. Einer von ihnen hatte neben einer ziemlich ondulierten Hinterradfelge auch noch ein Loch im Reifen.

Mein kleiner Kompressor, eine Spaxschraube und etwas Hylomar brachten zumindest wieder Druck auf den maladen Reifen und uns einen wertvollen Kontakt. Denn eins ist sicher: Wenn die Jungs einem Hilfe versprechen, dann kann man sich auch darauf verlassen diese im Notfall zu erhalten. Wer weiß wozu das noch gut sein kann.

Direkt vor Ort half uns einer der Jungs bei der Vermittlung der Bleibe für die Nacht. Eine ärmliche Baracke mit ein paar Betten war unser Domizil. Und das Bewusstsein, in welchem Luxus wir in Deutschland eigentlich leben, unser abendlicher Begleiter.

 

Die Dame des Hauses bereitete ein leckeres Abendessen für uns zu und so endete der Tag. Mit dem Blick auf den nächtlichen Atlantik saßen wir noch eine Weile vor der Hütte.

Wenn fließendes Wasser, selbst kalt, heile Scheiben in den Fenstern, Steckdosen an den Wänden und winddicht schließende Türen nicht selbstverständlich sind, Nachbarn in ärmlichen Holzhütten mit Wellblech oder Folien bespannten Dächern direkt in der ausgewiesenen Tsunamizone leben, befestigte Straßen außer auf der Hauptstraße nicht existieren, dann kann man von ärmlichen Verhältnissen sprechen. Und genau in diesen leben die Menschen in hier. Verdammt geht's uns gut!

09. Oktober 2017

 

Früh fuhren wir los aus Paposa. Kaum auf der Hauptstraße, attackierte uns das lokale Kötergeschwader. Was folgte war absehbar.

Nachdem der Erste von uns noch mit einigen Schlenkern durchkam, fokussierten sich die Flohbeutel auf mich als den an zweiter Stelle Fahrenden.

Leider unterschätzte eine der Tölen meine Geschwindigkeit, während sie die eigene maßlos überschätzte. Anstatt einfach wegzulaufen, näherte sich das Vieh meinem Vorderrad. Das Unvermeidbare trat ein. Ein beherzter Gasstoß und ein kurzer Schlenker waren das Resultat davon der Töle ein neues Profil aufzudrücken. Schwein gehabt. Das hätte auch böse ins Auge gehen können. Im Rückspiegel sah ich ein irritiertes Hunderudel, was uns einen Moment gab zu verschwinden.

Leider haben wir bislang noch keine verlässliche Vermeidungsstrategie gegen derartige Zwischenfälle entwickeln können. Und nein, diese Viecher wollen nicht spielen, die wollen beißen. Da hilft dann im Zweifelsfalle nur draufhalten. Mitleid ist absolut fehl am Platz. Es sei denn man steht auf Hundebisse und die daraus resultierende mögliche Übertragung von so ziemlich allem, außer Karies.

 

Schnell wand sich die Straße die Bergflanke empor. Die Wolken umhüllten uns mit feuchter, kalter Luft. Ein Hoch auf die Griffheizung. Wenigstens wurden die Hände nicht kalt, während ich mich wie ein wechselwarmes Reptil in meiner Kombi. Oben auf dem Plateau angekommen, gewann die Sonne langsam die Oberhand. Trotzdem sorgte starker Wind für ein frösteliges Gefühl unter der Jacke. 

 

Immer höher schraubten wir uns. Die Leistung von Frau Kati ließ bereits etwas nach. Zum Glück hält der Eintopf sechs Gänge bereit, aus denen irgendeiner immer passte. 

Wir erreichten Antofagasta. Eine Raffinerie und viel Wind, Sand und Staub. Schön ist anders. Die erste Tankstelle hatte "heute kein Benzin". An der zweiten klappte es schon besser. Knapp 20 Liter aufgefüllt und weiter ging es. 470km bis San Pedro standen in Summe an. Die Kargheit der Landschaft, der Staub und die Leere des Raums waren anfangs faszinierend, wurden im Laufe des Tages aber einfach nur eintönig. Die Abraumberge der Kupfermienen bestimmten zunehmend das Bild neben der Straße.

 

Wir passierten Calama. Mitten in der Wüste ärmliche Behausungen am Rand der Stadt, Bäume und Grün in Richtung des Zentrums erschienen dann schon beinahe so unwirklich wie die Hochhäuser im Zentrum. 

Kurz tanken, Tanken in San Pedro sei angeblich eine zeitraubende Angelegenheit und weiter. Schnurgerade zog sich das Asphaltband quer durch die Wüste. 

Auf den letzten 30 km vor San Pedro wandelte sich die Landschaft auf einmal dramatisch. Wilde Felsformationen, atemberaubendes Licht und endlich: KURVEN! Motorradfahrers kleiner Traum nach hunderten Kilometern Geradeausfahrt.

 

Wir rollten über einen Hügel und vor uns liegt das staubige Städtchen San Pedro. Unwirklich mitten in der Einsamkeit der Wüste auf Heerscharen von Touristen zu treffen. Eine schier verblüffende Zahl von Hostels, B&B's und Campingplätzen, die obligatorischen "Art Shops" dieser Touristenhochburgen, mehr Restaurants an einem Ort als in Summe auf den letzten 2000km und Preise, die das bislang gewohnte Maß deutlich übersteigen. Sei's drum. Wir finden einen netten Campingplatz und beschließen drei Tage zu bleiben. Neben der Rekonvaleszenz des Sitzfleisches steht das Übliche an: kleinere Defekte reparieren, Wäsche waschen, Nachrichten von Familie und Freunden beantworten und den Blog auf Vordermann bringen. Endlich wieder WiFi. Wir sind so abhängig...

10.-13. Oktober 2017

 

Wir sind jetzt seit vorgestern Abend hier auf dem Campingplatz in San Pedro. Ziemlich teuer, aber hey, wir sind in einer Touristenhochburg und eine warme Dusche mitten in der Wüste? Sei's drum! Unglaublicher Luxus. Und ein paar Tage der Vorbereitung für die weitere Tour, Akklimatisierung auf mittlerweile 2500m über Meeresniveau, Klamotten waschen und relaxen nach 2000km Fahrerei in einer Woche sind nicht das Schlimmste.

Da mir jegliche Offroaderfahrungen mit dem Motorrad fehlen, wir uns aber auf über 4000m Höhe mit bepackten Motorrädern begeben wollen und uns loser Sand, Schotter und Geröll erwarten, passte es wie die Faust aufs Auge, das Andres sein Zelt neben unseren aufgeschlagen hatte. Andres mit seiner alten und mit Kampfspuren übersäten KTM 950 bietet Touren mit dem Motorrad an. Von ein paar Stunden über ein paar Tage. Nebenbei zeigte er uns hier in San Pedro die Läden, in denen die Einheimischen speisen. -Nicht schlecht für's aktuell strapazierte Budget. Außerdem muss ich für Pizza und Pasta nicht in die Atakama reisen.

Wir kamen ins Quatschen und für 80 Dollar konnten wir ihn für einen halben Tag anheuern. Eine geführte Tour in die Wüste mit Trainingseinheiten auf Schotter, Sand, Felsen, in ausgewaschenen Flussbetten, feine Sache! -In Anbetracht meiner fehlenden Offroaderfahrungen war mir dann doch etwas flau. Auf dieser Tour habe ich mich bislang erst einmal lang gemacht. Ist ja nun nicht so, dass ich mein Glück überstrapazieren müsste. Trotzdem: Übung macht den Meister. Arschbacken zusammen und durch. Kann nur besser werden.

 

Gut gelaunt, mit ausreichend Wasser in der Trinkblase, ging es vor der größten Hitze los. Die erstem Meter waren lediglich etwas uneben. Tiefe Löcher, Spurrillen und ein wenige Schotter stellten keine unüberwindbare Hürde dar.

 

Aber dann... Durch einen Tunnel aus dem Jahr 1930, der in früheren Zeiten Teil der Eisenbahnverbindung nach Calama war, ging es durch ein ausgetrocknetes Flussbett weiter. Da ich mich bevorzugt von unten an mein Limit herantaste, statt es von oben zu durchbrechen, ließ ich es etwas langsamer angehen als eine Mitfahrer, die auch über teilweise reichlich Enduroerfahrung verfügen. Um die letzte Biegung fahrend, sah ich sie denn auch. Eine schräge Felswand, die aus dem Flußbett heraus anstieg hochfahrend, bzw. bereits oben stehend. -Tolle Wurst. Und nun? Feuer. Muss ja irgendwie zu machen sein. Der erste Anlauf endete mit dem ersten Sturz des Tages. Wobei ich dabei eigentlich nur abrollte. Beim zweiten Mal mit deutlich mehr Gas ging es auf einmal. Prima. Den dritten Versuch erwähne ich jetzt jedoch lieber nicht. Staub drüber.

 

Weiter ging es durch sandigen Schotter. Nach einigem Geeier lief auch das ganz gut. Wie bereits erwähnt: GAAAAS! Platz ist ja in so einer Wüste reichlich. Bremsen wird überbewertet.

Alles lief bestens, ich folgte der Staubwolke vor mir. War da nicht etwas mit Limit, von unten herantasten, nicht von oben und so? Das Tiefsandfeld sah ich zu spät, zu schnell war ich auch noch. Im nächsten Moment riss es mir das Vorderrad weg.

Der tiefe, rote Sand bremste meine Fahrt schneller als ich es mit der Bremse hätte machen können. Es schepperte ordentlich, der Helm schlug mit der linken Seite auf, das Neckbrace bremste die Bewegung meines Kopfes. So funktioniert das also. In einer Wolke roten Staubs sah ich nichts. Auch als sich die Wolke lichtete, sah ich immer noch nicht wirklich mehr. Was daran lag, dass ich selbst Teil der Wüste geworden war. Über und über bedeckt  mit rotem Sand, das Motorrad komplett paniert und meine Mitfahrer? -Lachten sich schlapp. Ich hätte das Spektakel zu gerne auch von außen gesehen. 

 

Unterm Strich war nichts passiert. Eine Schale meiner Handprotektoren war abgerissen. Nichts was sich nicht schnell reparieren ließe. Mir fehlte außer einem etwas angeknitterten Ego auch nichts. Die nächsten Versuche das Sandfeld zu passieren endeten leider ähnlich. Durch kam ich einfach nicht. Entweder Kati warf mich wieder ab oder die Fuhre kam so ins Schlingern, dass ich einfach anhalten musste. Mist...

 

Mit verhaltenem Schub ging es weiter. Diese Oberfläche erwartet uns dann also in Bolivien. Die nächste Herausforderung stellte eine Düne dar. Zu wenig Gas und zu viel Last auf dem Vorderrad führten dazu, dass ich Frau Kati im tiefen Sand eingrub. Nix ging mehr. Feierabend. Dafür stand das Biest von alleine. Also absteigen. ersten Gang rein und mit viel Gas schieben. Ein Traum. -Bolivien? Bepacktes Motorrad, 2000m höher? Verdammt... Irgendwann hatten wir auch das geschafft. Am Wasserloch in der salzverkrusteten Wüste, als unser Umkehrpunkt angekommen, betrachtete ich das staubige Elend. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich die ladenneue KTM in einen staubigen Haufen verwandelt. Navi, Drehzahlmesser, Lenker, Spiegel, Sitzbank, das gesamte Motorrad war so mit Staub und Sand bedeckt, dass außer der Form nichts mehr zu erkennen war. Das bedeutete: Service am Abend. Die Kleine hatte es sich redlich verdient. Ich selbst sah auch nicht mehr viel. Der gesamte Helm war eingestaubt. Die Kombi leuchtete in einem staubigen Rotgraubraun. Fein gemacht.

 

Noch mehr Offroad? Heute nicht. Ich wollte eigentlich nur noch zurück zu meinem Zelt. Eine Dusche, das Motorrad abspülen und den ganzen Dreck aus allen Ritzen bekommen. Denkste. Andres lotste uns auf leichteren Schotterwegen zurück in Richtung San Pedro. Doch der Fuchs führte uns durch ein weiteres ausgetrocknetes Flussbett. Mit schön viel Geröll, großen Steinen und weichen Tiefsand. Ich dachte mich tritt was! Dieser Mist war nun so ziemlich das Letzte, was ich jetzt brauchte. Runter ging es noch. Doch die gegenüberliegende Böschung hatte etwas gegen meine Fahrerei. -Sand. Viel Sand. Jetzt platzte mir der Hals. Dieses verdammte Zeugs konnte mich mal. Entweder gleich knallt es richtig oder es klappt. Mit Vollgas wütete ich die Böschung hoch. Und siehe da: Auf einmal lief es! Leichte Drifts, viel Schlupf am Hinterrad, die Fuhre ging vorwärts! Und das gar nicht so schlecht!

Erst später wurde mir klar, dass Andres mir damit den Tag gerettet hatte. Mich ein weiteres Mal vor eine vorher unüberwindbare Situation zu stellen war das Beste, was er machen konnte. Die 50/50 Chance rettete dann letztlich mein wütender Gasgriff. Manchmal braucht es eben doch etwas Dampf auf dem Kessel, um weiter zu kommen.

 

Wer Lust auf geführte Touren mit dem Motorrad hat, seien sie nun vorgegeben oder frei mit dem Kunden planbar, on- oder offroad, dem möchte ich an dieser Stelle Andres' Homepage nahelegen: https://www.routeofthedesert.cl

 

Geführte Touren nicht nur in Chile und nicht nur von Chile aus zu fairen Kursen. -Mich hat's deutlich nach vorne gebracht! Und was noch besser ist, bei Andres steht nicht der Kommerz im Vordergrund.

Seit 14 Jahren betreibt er sein soziales Projekt. Hilfe zur Selbsthilfe, in das die Erlöse aus seiner Arbeit fließen. Dabei geht es nicht darum den Leuten Spendengelder zukommen zu lassen, sondern vorhandene Ressourcen zu nutzen, zu verbinden und die Menschen zu motivieren davon Gebrauch zu machen um sich am Ende selbst zu helfen: Denn was nützt einem ein gesponserter Computer, wenn man nicht weiß wie man ihn benutzen kann? Einzelheiten zu seinem Projekt sind hier zu finden: http://www.motocultura.cl

Nebenbei hat er uns noch jede Menge Tipps zu Strecken gegeben. Viele waren aktueller als unsere in Deutschland gekauften Straßenkarten von 2016. Zu erreichen ist er am einfachsten über seine Homepage. Andres lebt das Leben eines Reisenden. Mit wenig zufrieden und immer auf Achse. Seine KTM 950 Adventure hat aktuell 218.000km auf dem Zähler. Scherzend meinte er, dass er die Million schaffen möchte. 

 

Nun ist es Abend vor unserer geplanten Abfahrt am morgigen Freitag, dem Dreizehnten. Frau Katie hat noch etwas Zuwendung erhalten. Der verdreckte Luftfilter wurde nach meiner gestrigen "Mehlexplosion", wie Daniel es bezeichnet, gereinigt. Dabei fiel der feinde rote Staub auf, der selbst durch den geölten und auf Rallys erprobten Luftfilter hindurch ging. Das Zeug ist so fein, dass es wirklich ÜBERALL reinkriecht. Nach meinen gestrigen Abflügen in den roten. mehlfeinen Sand haben einige Anbauteile auf sich aufmerksam gemacht. Die abgerissenen Handprotektoren ließen sich mit Bordmitteln und Unterlegscheiben reparieren. Der streikende Blinkerschalter war da schon etwas nerviger. Das ab Werk verwendete Fett in den beweglichen Teilen des Schalters hatte den Sand zu einer klebrigen, knirschenden Masse gebunden. So konnte ich meine Blinker zwar mit etwas Gewalt dazu überreden das zu tun, wozu sie verbaut sind, zu blinken. Doch leider ließ sich die Funktion nicht mehr abstellen.

 

So langsam macht mir der Staub auch gesundheitlich zu schaffen. Seit Tagen Reizhusten, beim Naseputzen immer der erste Schreck: Nasenbluten! -Nein. Roter Sand. Das Telefon zerschmirgelt, die Tasten des Laptops knirschen, die Haut trocknet aus, die Augen jucken. Ich weiß, dass ich es verfluchen werde wenn ich es habe, aber wie wäre jetzt Klima mit mehr Feuchtigkeit in der Luft? Und etwas weniger Staub vielleicht?

Langsam mache ich mir Sorgen um die Reißverschlüsse von Zelt und Kombi. Denn die tausend feinen Zähnchen der kleinen Sandkörner sind definitiv nicht geeignet deren Funktion zu unterstützen. Auch die Schnellkupplung zwischen meinem Heck- und dem Zusatztank machte gestern Probleme. Beim kurzen Stopp an der Einfahrt zur Wüste stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich Sprit verlor. Nicht wegen der damit einhergehenden Reichweitenreduzierung, sondern weil der Motor und die Anbauteile bereits ordentlich heiß waren. Als Wüstenfackel in die Geschichte einzugehen, war nicht meine Absicht. Das Problem war auch hier der feine Sand, der sich zwischen den Überwurf der Kupplung setzte und diesen daran hinderte mit dem Gegenstück zu verrasten. Somit konnte die Kupplung jederzeit auf gehen (was sie gestern auch tat). Bei geöffneten Hähnen des vorderen Zusatztanks hätten bis zu 14 Liter Benzin auslaufen und für verblüffende Effekte sorgen können. Ein weiterer Punkt auf der heutigen "To Do" Liste.

 

Nachdem ich die in den letzten Tagen beim Fahren in größeren Höhen auf dem Motorrad oft gefroren habe wie ein Schneider, konnte ich hier in San Pedro eine Fleece Jacke ergaunern. Eigentlich überhaupt nicht erwähnenswert. Doch wenn man oft über Stunden auf dem Motorrad hockte, die Kälte zum Kragen in die Jacke kroch, der Rücken auskühlte und die Armmuskeln steif wurden und während die anderen Mitfahrer anhielten, um noch eine Lage drunter zu ziehen, nur die Hoffnung blieb, es würde bald wärmer werden, dann weiß man solche Trivialitäten zu schätzen.

Zumal in den Hochlagen Boliviens nachts und in den Morgenstunden Temperaturen im deutlichen Minusbereich erwartet werden. Die Hochlagen brauchen noch etwas um aufzutauen.

 

 

 

 

 

13. Oktober 2017

 

Heute ist Freitag. Freitag, der Dreizehnte. Und der Tag machte seinem Namen alle Ehre. Früh sollte es von San Pedro losgehen. Doch am Vorabend zogen Wolken über der Atakama auf und in Richtung der Berge, über die wir ja nun fahren wollten. Uns wurde gesagt, dass es gut sein könnte, dass der Paso Sico aufgrund von Schlechtwetter gesperrt sein könnte... Näheres gäbe es nicht vor 9:00 Uhr. Soviel zum Thema "wir fahren früh los". Das Zusammenpacken der Zelte gestaltete sich als weiteres Highlight. Der rote Staub war wirklich überall. Und da blieb er auch weitestgehend. Alle Versuche ihn loszuwerden endeten in nur noch mehr Staub.

Zu guter Letzt freute ich mich über das erfolgreiche Verstauen meiner Tonnen von Zeugs (ich verstehe immer noch nicht wieso ich mich nicht verkleinern kann. Ein letzter Griff in meine linke Packtasche machte dem Freitag dann alle Ehre. Meine Zahnpastatube war geplatzt. Natürlich ganz unten und sie hatte sich schön gleichmäßig verteilt. Verdammt... Also alles raus und waschen. Da selbst die Tasche meines Laptops eingesudelt war, landete das ganze Geraffel auf Hecken und Sträuchern zum Trocknen. War da was von wegen früh los kommen?

 

Irgendwann war es dann doch soweit. Natürlich nicht ohne dass mir am Tor des Campingplatzes noch eine Halterung des Tankrucksacks abriss. Kleinkram. Geschenkt.

 

San Pedro war die vier Tage wert. Ein etwas unwirklich wirkendes Städtchen in einer Oase in der Wüste. Staubig aber voller Leben. Zwar sehr touristisch und recht teuer, aber schön mit viel Life Musik in den zahlreichen Kneipen und Bars.

Doch nun war es Zeit weiter zu fahren. Das entspannte Herumhängen hätte sonst zum totalen Versumpfen in dieser Oase geführt. Kurz am Quirl gezogen und raus waren wir, zurück in der Wüste mit ihrer unwirklichen Weite. Schnurgerade zog sich die Straße über viele Kilometer.

 

 

 

Rückspiegel

 

Auch wenn ich die letzten Tage nach unserer Rückkehr aus Argentinien in Chile unterschlage, Zeit für den Rückspiegel.

 

Chile war meine Absprungbasis nach Südamerika und wird auch das Ende meiner Reise im nächsten Jahr sein, von wo aus ich zurück nach Hause fliege.

 

Als Land der Gegensätze habe ich es kennengelernt. Valparaiso, bunt und lebendig, aber auch etwas schmuddelig, trotzdem charmant und auf alle Fälle einen Aufenthalt wert. Copiapo als das Tor zur Atakama auf unserer Tour, die Routa 5 auf dem Weg nach Norden entlang der kühl windigen Pazifikküste, an der die Menschen in vielen Orten unter ärmlichen Verhältnissen leben, die Minen um Antofagasta und der Staub, Calama als etwas unwirklich erscheinende Stadt in der Wüste mit Hochhäusern und schließich San Pedro, als Oase inmitten einer staubtrockenen Wüstenlandschaft.

 

Hier in Chile habe ich das erste Mal Wüste erlebt. Die unglaubliche Weite, die Farben, das Licht. Lesen kann man viel darüber. Selbst erleben ist etwas ganz Anderes.

Und den Staub, der fein genug ist, um auch durch die Luftfilter der Motorräder gezogen zu werden. Er ist einfach überall. 

Guanakos auf den Hochebenen, Salare, Lagunen, starke Winde, Flamingos, auch das ist Chile. Es ist anders als alle Länder, die ich bislang bereist habe. Und genau das machte es auch so interessant.