16. Januar 2018

 

Nach einer unruhigen Nacht in einem etwas heruntergekommenen Hotel in Lago Agrio beschloss ich weiter zum Hostal Platinum Class zu fahren und noch eine Nacht in der Stadt zu bleiben. Das Hostel liegt ziemlich am Rand von Lago Agrio. Mery und Louis, die beiden Besitzer betreiben es seit etwas zwei Jahren und sind gerade dabei das Hostel in ein Hotel umzuwandeln. Als ich im Nebensatz anklingen ließ, dass ich mir ein paar Früchte auf einem der lokalen Märkte holen wollte, winkte mir Louis. Wir stiegen in seinen Pickup und Minuten später erreichten wir einen der vielen kleinen Märkte, auf dem alle möglichen Früchte angeboten werden. Die meisten davon habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Umso erfreulicher war, dass die Verkäuferinnen uns immer wieder Früchte zum Probieren gaben. Ohne auch nur einen Cent dafür haben zu wollen. Soviel Freundlichkeit ist -ich erwähnte es ja schon andernorts, immer wieder so verblüffend wie schön!

 

Zurück im Hostel begann ich mit der Planung meiner weiteren Route. Auch hierbei war Louis mir mit vielen Informationen zu schönen Orten abseits der bekannten Pfade behilflich. 

Ich überlegte hin und her, ob ich noch eine viertägige Amazonastour machen oder doch lieber etwas mehr Zeit an der Küste verbringen sollte. Letztlich entschied ich mich für die Küste und somit stand am Folgetag meine Abreise in Richtung Quito über Umwege an

17. Januar. 2018

 

Nach dem Frühstück war es Zeit mal wieder zusammenzupacken. Meine Lieblingsbeschäftigung.

 

Louis erklärte mir noch einmal im Detail wie ich was finden konnte. Und er kannte sich offensichtlich sehr gut aus.

 

Hinter Coca sollte ich nach 26 Kilometern links zu den Carachupa Wasserfällen abbiegen. Den Abzweig fand ich. Durch ein eisernes Rolltor ging es über einen Schotterweg etwa 3 Kilometer durch den Wald, bis ich auf einer großen Lichtung ankam. Und da war ich. Allein. Der Eingang zum Park machte einen sehr verlassenen Eindruck. Keine Menschenseele weit und breit, das Kassenhäuschen offenstehend. Alles sah eher nach dauerhaft geschlossen, denn "wegen Mittagspause keiner da" aus. Da kam mir in den Sinn, dass der quer über dem Weg liegende Baumstamm vielleicht doch kein Zufall war? Egal. Ich machte mich vom Acker. 

Auf dem Rückweg durfte ich feststellen, dass jemand das Rolltor zugeschoben und mit der Kette, die vorher auf der Erde lag, verriegelt hatte. Dankschön, das macht Sinn wenn gerade jemand reingefahren ist. Wieder keine Menschenseele zu sehen. Während ich überlegte, wie ich Katie irgendwie über die Böschung bekomme, stellte ich fest, dass die Kette lediglich aufgewickelt, aber nicht verschlossen war. Auf den Plunder und dann weg hier. Das wurde mir langsam etwas zu albern.

 

In Folge kamen immer wieder Abzweige zu Wasserfällen und Parks. Einen wollte ich noch versuchen. Kaum war ich von der Straße runter und auf den roten Erdweg gefahren, begann die Show. Kurz am Gas gezupft rutschte mir schlagartig das Hinter- und dann auch das Vorderrad weg. Ich sah mich schon in der roten Mauke liegen. Wild schlingernd kamen Katie und ich zum Stehen. Das hier war definitiv nicht das Terrain für meine Reifen. Und einen weiteren Kilometer, zumal es gleich noch steil bergab ging, wollte ich uns beiden nicht zumuten. Zu weit war die Reststrecke bis Quito und irgendwie zog es mich zum Mogens Pod Hostel, zu Hangel und Paola, mit denen ich mich dort treffen wollte.

 

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Eine Drogenkontrolle der Polizei, ich wurde mal wieder heraus gewunken. Als die Polizisten erfuhren, aus welchem Land ich sei, wollten sie nicht mal meinen Pass sehen und wünschten mir lachend eine gute Weiterfahrt.

Aus den grünen Ebenen des Regenwaldes ging es hoch in die Nebelwälder der östlichen Kordillere der Anden. Zeitweise konnte ich die sprichwörtliche Hand nicht vor Augen sehen. Es ging bis fast 4000 Meter hoch und es war kalt. Richtig kalt. Es fühlte sich gleich so viel angenehmer an, etwa tausend Meter tiefer auf Quito zuzufahren.  

Irgendwann erreichte ich die Hauptstadt Ecuadors. Grau und schmuddelig empfing sie mich mit dem Wahnsinn der abendlichen Rush Hour.

 

Mein Navi spann mal wieder und berechnete ständig ein anderes, als das von mir eingegebene Ziel. Blöd, dass mein Navi schließlich das Pod Hostal nicht finden wollte. Mein Handy als backup funktionierte auch nicht. Warum auch immer, die Karte für Ecuador war nicht verfügbar. Ich wurde bald irre! Mitten im Berufsverkehr und ich irrte umher wie ein blindes Huhn. An einer Tankstelle sprach mich Roberto an. Er versuchte mir so gut es ging zu helfen, doch da ich leider weder die Straßennamen, noch die genaue Adresse des Hostels wusste, war auch das nicht wirklich von Erfolg gekrönt.

 

Als ich endlich ein offenes WLAN fand, konnte ich endlich die Adresse ausfindig machen. So falsch war ich gar nicht. Nur etwas mehr als eineinhalb Kilometer.

 

Am Hostel angekommen, wurde ich mit der bekannten Herzlichkeit begrüßt. Die Chefin erkannte mich auch sogleich wieder. Endlich gab es was warmes zu essen und zwei gute Kaffee. Am Ende noch zwei sehr leckere Mojitos oben drauf, das war der Tag. 

19. Januar 2018

 

Nach zwei Tagen in Quito hatte ich das Gefühl, dass mich nichts mehr hielt. Im Mogens Pod Hostel war es total nett und familiär. Aber nachdem ich mich mit Paola und Hangel getroffen, Tyler aus Kanada auf seiner F800 GS kennengelernt und diverse leckere Kaffee und Mojitos verspeist hatte, war es einfach Zeit weiterzufahren. Quito war dieser Tage kalt und oft nass. Nicht sehr einladend und insgesamt lockte Ecuadors Küste einfach zu sehr.

 

Bevor ich mich jedoch Sonne, Strand und Wellen hingeben konnte, wollte ich doch noch einen Anlauf zum Mittelpunkt der Erde und seinem kleinen Museum nehmen, das im Dezember, bei meinem letzten Besuch, leider geschlossen war. Danach hatte ich mir "Bella Vista" als Ziel für die Nacht ausgeguckt. Ein Resort in den Nebelwäldern, in Richtung Mindo. Das Gute daran war, dass es auch die Möglichkeit gab sein Zelt aufzuschlagen. Für mich nicht nur aus ökonomischen Gründen die erste Wahl. Da ich mich gegen die Amazonastour entschieden hatte, wollte ich wenigstens hier noch ein paar exotische Vögel vor die Linse bekommen.

 

Das Museum hatte tatsächlich offen und ich hatte Glück kurz vor einer englischsprachigen Führung dort einzutreffen. Die Führung selbst war mittelmäßig interessant, wurde jedoch im Verlauf immer spannender. Vor allem als es um die unterschiedlichen Effekte der vorherrschenden Kräfte auf und beidseitig des Äquators ging. 

 

Danach ging es zügig weiter in Richtung Bella Vista, nach Nord-Westen. In einer Kehre meinte mein Navi, dass ein Routenberechnungsfehler vorläge. Konnte eigentlich doch gar nicht sein... Doch. Konnte es. Ich hatte einfach den Abzweig nach links verpasst. Eine unbefestigte Straße führte in den Wald hinein. Kehre um Kehre ging es aufwärts und immer höher in den wolkenverhangenen Wald hinein. Kleine Wasserfälle stürzten die steilen Hänge herab. der Weg wurde immer schlammiger. 11 Kilometer sollte es so gehen. Dann erreichte ich tatsächlich die Lodge. Der Zeltplatz war noch etwas weiter aufwärts. Ein schmaler Pfad führte in den Wald und zu einem überdachten kleinen Platz. Hier konnte ich mein Zelt aufschlagen und hatte einen königlichen Blick über die urwaldbedeckten Berge, in denen sich die Wolken verfingen. Außer ein paar Grillen und dem Tropfen des Regens war nichts zu hören. Es war so friedlich wie selten ein Ort auf meiner Reise. 

Trotz des regennassen Waldes gelang es mir ein Feuer zu entzünden. Im Schein der Flammen (es war genug Holz und Bambus da, also warum sparsam damit umgehen) saß ich einfach nur da, umgeben vom dunklen Wald. Es war irgendwie das Gefühl von tiefem Frieden und totaler Entspannung. Da der Wecker für die erste "Birdwatchingtour" auf kurz nach 5 Uhr morgens gestellt war, verkroch ich mich beizeiten ins Zelt und rollte mich in den Schlafsack ein. Draußen das Feuer und der Regen, der auf die Überdachung tropfte, hier drinnen mein kleines Reich. Wieder einmal: Fantastisch.

 

Der nächste Morgen begann... früh. Ich schälte ich mich aus dem Zelt und stolperte hangabwärts. Die Dämmerung im Wolkenwald lockte zwar eine Vielzahl von Vögeln an, doch meine Kamera tat sich unglaublich schwer sie auch einzufangen. Leise Flüche kamen mir über die Lippen, denn gerade die kleinen, flinken Gesellen waren einfach nicht festzuhalten. Während wir uns mühten die kleinen Federmänner (und Frauen) festzuhalten, erzählte der Guide, dass auch gelegentlich ein Tucan vorbei käme. In der Ferne konnte man seine schnarrenden Rufe hören, blicken ließ er sich hingegen nicht.

 

Ich trottete bergauf, um mein Zelt und meine Habseligkeiten zusammen zu packen. Da ertönte in unmittelbarer Nähe das Schnarren. Der Tucan! Er war da. Auf einem Baum über mir konnte ich seine Silhouette ausmachen. Leider war das Licht eher ungünstig. Aber, ich habe ihn gesehen!

 

Nach dem Frühstück fuhr ich weiter. Mompiche, das Surferparadies mit seinen vielen Stränden war mein Ziel. Am frühen Nachmittag erreichte ich es und hatte ein paar Schwierigkeiten den Eingang zum Maracumbo Camping. Mein Zelt konnte ich in einer überdachten Bambushütte aufschlagen. Ganze 4 Dollar kostete die Nacht. Hängematten gab es auch, ein Platz, um ein paar Tage einfach nur nichts zu tun.

 

 

20. Januar 2018

 

Die Nacht war ein Traum. Mücken umschwirrten mein Zelt, konnten mich jedoch nicht erreichen. Ich gönnte den Mistviechern einen knurrenden Magen beim Umfliegen der Wurst, mir. Tief und fest schlief ich und freute mich wie ein Schneekönig über mein fürstliches Schlafgemach. 

 

Am nächsten Tag stand für mich nur entspanntes Herumhängen auf dem Plan. Sonst nichts. Und das war hervorragend. So eine Hängematte im Schatten ist bei den tropischen Temperaturen in Äquatornähe einfach nicht zu übertreffen.

 

Am späteren Nachmittag tigerte ich ins Dorf und plünderte die Früchte des ersten Dorfladens. Bepackt wie ein Esel trabte ich zurück, um mir einen Kaffee zu kochen. Frische Milch hatte ich wohlweislich gleich in der Literpackung mitgenommen. Doch was war das??? Der Kaffee schmeckte salzig! Pfui Spinne. Zunächst hatte ich das Wasser aus dem Hahn in Verdacht. Es dauerte eine Weile bis ich herausfand, dass nicht das tatsächlich nicht trinkbare Wasser aus der Leitung, sondern die Milch der Verursacher dieser geschmacklichen Entgleisung war. Bis heute weiß ich nicht was das für ein Gesöff war. Jedoch bekam ich später auf Nachfrage Milch ohne Salz. Komisch...

 

 

22. Januar 2018

 

Nachdem ich mich am Vortag am Strand trotz bedecktem Himmel schon in einen abgebrühten Hummer verwandelt hatte, war es Zeit einen weiteren Strand in der Nähe von Mompiche zu erkunden. Den schwarzen Strand, Playa Negra. Die Vorfreude auf dem Pazifik wurde durch die brütende Hitze noch weiter gesteigert. Am Strand angekommen stellte ich fest, dass der Sand wirklich rabenschwarz war. Der erste Weg führte denn direkt ins Wasser. Was ich unterschätzte war die Stärke der Wellen. Wow... Im Gespräch mit einem Campingplatznachbarn wischte mich eine von ihnen förmlich weg. Man könnte sagen, ich sah sie kommen... Andere nennen das auch "Surfers Paradise". Ich beschränkte mich auf die Bezeichnung "Traum". Das dafür mehrfach und mit wachsender Begeisterung. Denn das war es. Angenehm warmes Wasser, Toben in den Wellen, Tauchen durch sie und dabei einfach weggeschleudert zu werden, ich wollt gar nicht mehr heraus kommen. 

Als es dann doch irgendwann Zeit dafür war, musste ich schnell feststellen, dass die Sonne hier extrem aggressiv brannte. Trotz Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 60 war mit meiner lichtempfindlichen Pelle hier kein Preis zu gewinnen. Also zurück ins Wasser. Wieder und wieder das selbe Spiel. Und es wurde nicht langweilig!

 

Am späten Nachmittag klarte der Himmel auf und die Sonne brannte noch erbarmungsloser herab. Zeit den Rückzug anzutreten. Und mal wieder was für den Blog zu tun. Die letzten Tage war ich einfach stinkend faul. Was jedoch ganz hervorragend war.

25. Januar 2018

 

Auch wenn es -bis auf die blutrünstigen Mücken- wunderschön auf Christians Platz "Maracumbo", mit den verrückt-bissigen Gänsen, den beiden Hunden, Hühnern und allerlei anderem Gekreuch war, es wurde langsam Zeit für mich weiterzuziehen. Ob es mir gefiel oder nicht, meine Zeit hier läuft ab wie eine Sanduhr. Und meine Reifen schmelzen dahin. Durch die fast ausschließliche Fahrerei auf Asphalt, auch mit hohem Kurvenanteil, rubbelt sich der Heidenau am Hinterrad mittlerweile so stark mittig ab, dass ich ernsthaft Sorge habe damit Lima zu erreichen. Noch etwa 1700 Kilometer. Ein neuer Satz Reifen wäre verfügbar. Doch ich sehe mich wie viele einheimische LKW auf dem herausschauenden Gewebe dort ankommen. Unglaublich wie lange hier Reifen auf Nutzfahrzeugen gefahren werden! Dass sie eiern, bröselig sind oder dass wirklich nur noch das Gewebe auf der Lauffläche herausschaut, vollkommen egal. Nur möchte ich weit weg sein wenn so eine Pelle explodiert! 

 

War es die letzten Tage feucht und eher kühl, brannte die Sonne heute bei kaum bewölkten Himmel. Umso länger zog sich die Verpackzeremonie hin. Meine Motivation, endlich los zu kommen war unterirdisch. Als ich endlich auf Katie saß durchströmte die Luft meine Kombi und sorgte für ein angenehmes Klima. Der tropische Wald zog an mir vorbei und zu meiner Rechten tauchte immer wieder der Blick auf eine Marschlandschaft auf, die sich südlich von Mompiche an der Küste erstreckt. 

 

Mein Ziel war Canoa, etwa 180km südlich. Ob ich dort wirklich Halt machen und übernachten würde, wusste ich noch nicht. Mein eigentliches Ziel war Puerto Lopez. doch bis dahin waren es immerhin fast 400 Kilometer. Während mein Navi mich senkrecht durch das Landesinnere führen wollte, plante ich meine Route entlang der Küstenlinie. In San Vicente wollte ich die Gelegenheit nutzen und Super nachtanken, um die niedrigoktanige Plörre (Extra) in den Tanks zu "verdünnen". "Nur für Ecuadorianer", wurde mir beschieden. Mit durchdrehendem Hinterrad und Kopfschütteln ließ ich die Tankstelle hinter mir. Erinnerungen an Bolivien wurden wach.

 

Als ich schließlich Manta erreichte, eine hässliche und dreckige Stadt wie so viele in Südamerika, merkte ich. dass mein Vorhaben gar nicht so einfach war. Im Gewimmel der Straßen verfuhr ich mich mehrfach. Straßen waren gesperrt, oder ich entschied mich zielstrebig für die falsche Spur und landete auf irgendwelchen Überführungen, statt in den Kreisverkehren unter mir die richtige Richtung einschlagen zu können.

 

Doch, auch das endete und ich ließ Manta hinter mir und erreichte wieder die Küste, die schlagartig karger wurde. Das Grün der tropischen Wälder lag hinter mir. Hier sah es aus wie nach einem brennend heißen Sommer. Kein Blatt war an den Sträuchern. Die Straße wand sich entlang der Pazifikküste. Immer wieder musste ich anhalten und einen Blick auf das Toben der Wellen werfen. Unglaublich schön war der Anblick in der späten Nachmittagssonne. 

 

Ab San Lorenzo wurde es noch schöner. Die 15 entlang der Pazifikküste mit der tiefstehenden Sonne und dem abwechselnden Grün und Sand, schon schwer sich mit dem Gedanken abzufinden dem in ein paar Tagen den Rücken kehren und zurück ins staubige Peru fahren zu müssen. 

 

Da Samuel mit seiner Oase im Puerto Cayo im Januar geschlossen hat, steuerte ich einen Campingplatz etwas außerhalb des Ortes an. Hier werden neben Räumen auch Zelte vermietet. Allerdings für schlanke 16 Dollar mit Frühstück. Mein eigenes Zelt kostete 5 Dollar pro Nacht und ein schattiges Plätzchen gab es on top. Das Rauschen der Wellen in Hörweite beschloss ich ein paar Tage zu bleiben. 

 

Am Südende von Puerto Cayo, direkt am Strand kann man prima speisen, was ich auch direkt tat. Frische Fischsuppe für 3 Dollar, lecker. 

Der Folgetag brachte trotzdem zunächst die hausfraulichen Pflichten (oh Gott, ist das Aufhänger genug um Opfer der hysterischen #MeToo Debatte zu werden???) nachzukommen.  Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und den vielen Regen waren meine Klamotten in Mompiche einfach nur feucht klamm geworden. Alles was ging stopfte ich in die mobile Waschmaschine. Beim Öffnen entwich eine gaaaanz spezielle Note. Nun ja. Details über sich lockende Nasenhaare erspare ich dem geneigten Leser an der Stelle. Es war einfach Zeit zu waschen. Zu meiner großen Freude kam auch die Sonne zum Vorschein und brannte nach Kräften. Perfekt. 

 

So war der Vormittag auch schnell rum gebracht. Ein kurzer Ausflug an den Strand und ansonsten entspanntes Abmatten in der Sonne waren bis zum frühen Nachmittag die einzigen Beschäftigungen. Irgendwann trieb mich der Hunger wiederum zur bekannten Strandbar. Während ich da saß und auf das Meer stierte, kam ein jüngerer Mann hinein. In der einen Hand einen Fisch, in der anderen Langusten. Kurz vorher war ein Fischerboot auf den Strand aufgelaufen. Nix Tiefkühlkost!

 

Da Katie gerade relativ "entpackt" war, nutzte ich noch gleich die Gelegenheit, um sämtliche Spritfässer randvoll zu machen. So langsam gingen mir aber dann doch die "Aufgaben" aus. Es blieb einfach nichts anderes übrig als mich endlich mit der Planung der nächsten 5300 Kilometer bis Santiago auseinanderzusetzen. Nicht, dass ich besonders motiviert wäre, bestärkte mich das Studium der möglichen nächsten Übernachtungsmöglichkeiten in Peru in meiner negativen Grundhaltung gegenüber dem Land. Ungefähr bei der Hälfte der Plätze, die sich auf iOverlander fanden wurde darauf hingewiesen, dass Preis-Leistung nicht unbedingt in Harmonie für den Gast, wohl aber für den Betreiber waren. Man könnte es durchaus auch willkürlichen Beschiss nennen. Leider deckte sich das zu oft auch mit meinem Empfinden bei der Reise gen Norden durch Peru.

Es nützte nichts. Staub und Sand, ich komme wieder. Doch vorher wird es noch ein paar Tage ecuadorianische Küste geben. In Puerto Lopez lockt die Isla de la Plata, auch genannt "Galapagos für Arme". Die Vogelwelt dort soll wunderschön sein. Wale werde ich wohl keine sehen. Es ist einfach nicht die Saison. So gibt es noch das ein oder andere Highlight, bevor ich endgültig meine Siebensachen packen und weiter nach Süden ziehen muss.

 

 

28. Januar 2018

 

Drei Nächte blieb ich in Puerto Cayo. Die Zeit verbrachte ich mit Nichtstun, dem Planen meiner weiteren Reise, dem Verspeisen von leckeren Fischgerichten am Strand, der regelmäßigen Plünderung der kleinen Panaderia in der Nähe der Tankstelle und gelegentlichen Streifzügen zum Strand. Jedoch mahnte mich mein fürstlicher Sonnenbrand vom Playa Negra in Mompiche die pralle Sonne zu meiden. Tat ich auch brav. Es war eh zu heiß.

 

Hin und wieder, besonders in ruhigen Momenten, machte sich ein Gefühl der -nennen wir es "Bedrücktheit", breit. Die Tage meines Trips sind gezählt und im Prinzip befinde ich mich auf dem "Abstieg", der Rücktour. Das wird umso klarer je detaillierter die verbleibende Strecke ausgeplant vor mir liegt. Mit ihren möglichen Übernachtungsgelegenheiten, den ungefähren Tagesetappen und den Ländern, die dabei passiert werden. Auf einmal wird die verbleibende Zeit zählbar.


Und was kommt danach? Zunächst muss ich mich wieder an den Alltag gewöhnen. An Weckerklingeln, Termine, Rechnungen, regelmäßige Tickets für Nichtigkeiten, zur Unterstützung eines erdrückenden und bevormundenden Staates, den täglichen Weg zu Arbeit, viel zu kurze Wochenenden und Regeln, Regeln, Regeln.
Aber auch an: Familie, Freunde, Abende in unserer Werkstatt, neue Pläne und Projekte, kurze Fluchten aus dem Alltag mit dem Camper und das Planen einer weiteren großen Flucht. -Vielleicht die Endgültige? Wer weiß. Das wird die Zeit zeigen.

 

Nun endlich war es also Zeit Puerto Cayo, den kleinen und verschlafenen Ort an der Küste, zu verlassen. Auf dem Weg vom Campingpatz passierte ich Samuels Hostel, wir hatten Ende November letzten Jahres schon hier übernachtet. Das Tor stand offen, die Ferien waren offensichtlich vorbei und so fuhr ich hinein, um kurz "hallo" zu sagen und mich zu verabschieden. Freudig kam der alte schweizer Seemann aus seinem Garten Eden gelaufen. Ein kurzer Plausch, eine herzliche Verabschiedung und es war Zeit für mich zu fahren.

 

Bis Puerto Lopez waren es keine 35 Kilometer kurvige Küstenstraße. Ich genoss jeden Meter der sich windenden Straße, die Blicke auf die Wellen des Pazifiks in der Sonne, die vorbeifliegenden Strände.
Gefühlt war die Strecke viel zu kurz. Tief in mir vernahm ich eine Stimme, die leise sagte: "Und was wenn es doch keine Möglichkeit gibt zur Isla de la Plata zu fahren? -Fährst Du dann weiter?". Einen kurzen Moment wollte ich auf sie hören.

 

Die Stadt erreichte ich über die staubige Bundesstraße. Staubig blieb es auch in den nicht asphaltierten Seitenstraßen. Weiter vorne am Strand spielte das "Leben" und rannten die Touristen herum. Meine eigentlich anvisierte Bleibe sah so geschlossen aus, dass ich keine Motivation verspürte dem näher auf den Grund zu gehen. Ein paar Ecken weiter fand ich einen Anbieter für Tagestouren zur Isla de la Plata und er lotste mich auch sogleich zu einem Hostel um die Ecke. Wobei mir ganz ehrlich gesagt oft der Unterschied zwischen "Hostel" und einem einfachen "Hotel" nicht klar ist. Sei es drum. Sportliche 15 Dollar kostete das Einzelzimmer, dafür mit Klimaanlage. Eine Unterstellmöglichkeit für Katie gab es nicht. Sie verbrachte die Nacht für schlappe 3 Dollar extra um die Nacht. Der Tag sollte weitere 3 Dollar kosten.

 

Zeit die Strandpromenade zu erkunden. Naja. Touristenort eben. Ich trottete zurück auf mein Zimmer. Die vorangegangene Nacht war recht kurz, das Bett bequem, ich dämmerte weg.

 

Später am Abend meldete sich mein Magen. Klar, der Maschinenraum baucht Füllung. Früher am Tag hatte ich ein unauffälliges Restaurant ausfindig gemacht, das um die Mittagszeit von Einheimischen gut besucht war. Die Offerten der auf das Abfangen von Touris geeichten Häscher anderer Restaurants freundlich ablehnend, steuerte ich zielstrebig auf die mit Bambus verkleidete Pinte zu. Im Nachhinein eine gute Entscheidung. Frische Garnelen vom Grill, das war die paar Meter extra mehr als wert.
Danach noch ein Helado de Coco und es war Zeit das Gesäß im Sand des Strandes zu parken. Die Ebbe setzte gerade ein, der Himmel glutrot, die Szenerie für Anträge und andere Unüberlegtheiten. Zum Glück war ich allein.

 

Der Rest des Abends war unspektakulär. Im Prinzip ist Puerto Lopez nur ein Warteslot, um nach der Tagestour weiter in Richtung Guayaquil zu fahren. In zwei Tagen will ich über die Grenze zu Peru sein. Eventuell werde ich noch die Lagune bei Huaraz mitnehmen. Doch das möchte ich davon abhängig machen wie meine Reifen aussehen und wie sich mein Fortkommen gestaltet. 

Geplant geht es straff auf Lima zu. Sobald ich neue Reifen habe, wird der rechte Griff festgestellt und es geht die Küste runter, Richtung Chile.

29. Januar 2018

 

Die Nacht war dank Air Condition ziemlich frisch. Zu frisch für nur ein Bettlaken. Dafür bremste die Kälte die Flugmanöver der Mücken erfolgreich.

 

Am Morgen beschloss ich Katie doch noch den Tag über bei Wucherhannes zu lassen. Scheiß was auf die 3 Dollar. Dafür gibt es keinen Stress. Also ab um die Ecke, auf der Suche nach Frühstück und Kaffee, bevor es halb zehn mit dem Kutter zur Insel gehen sollte.

 

Nach gefundener Morgenspeise dackelte ich die Strandpromenade zurück zum Veranstalter der heutigen Tour. Die Gruppe der Wartenden wurde größer und es ging im Gänsemarsch runter zum Hafen. Die Kutter hier werden von mindestens zwei Außenbordern angetrieben. In unserem Falle mit jeweils 150 PS, nicht schlecht für eine GFK Nusschale! Kaum waren wir aus dem Hafen hinaus geschippert, die obligatorischen Sicherheitsbelehrungen erfolgt und alle noch an Bord, klopfte unser Tourguide drei mal kräftig gegen die (GFK-) Decke und der Chef am Gerät riss alle Hebel auf vollen Vortrieb. Und der war ordentlich. Je weiter wir uns von der Küste entfernten, desto heftiger klatschte der Kahn mit dem Rumpf in Wellentäler und gegen aufsteigende Wellen. Das schepperte schon ganz gut. Leider erinnerte der Klang der beiden parallel geschalteten Vierzylinder unter Dauervollast eher an einen Zahnarztbesuch, als an Klänge, die das Herz eines Benzininfizierten höher schlagen ließen.

 

Nach einer Stunde Vollgas und der ungeklärten Frage wieviele Galonen Sprit da wohl verblasen wurden, erreichten wir die Insel. Am Anlegeplatz dümpelten schon zwei andere Boote und die Besatzung fütterte die versammelten Meeresschildkröten, die die Insel auch zur Ablage ihrer Eier aufsuchten. Der Anblick der elegant durch das Wasser schwebenden Tiere war wunderschön. Umgeben von Thunfischen und anderen Fischen, umschwärmten sie unser Boot im blauen Meer. 

 

An Land ging es zunächst bergauf. Nach ein paar hundert Metern besetzten die ersten Blautölpel mit ihren Küken den Weg. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht im Traum dachten die watschelnden und schnatternden Vögel daran zur Seite zu gehen. -Wer krakelte am lautesten? Die weiblichen Elterntiere. Parallelen zu anderen Lebewesen sind rein zufällig.

 

Ein Brutplatz neben dem anderen. Offensichtlich sind die Tiere an den Besuch von uns Menschen gewöhnt. Unruhe schien unsere Anwesenheit nicht auszulösen.

 

Etwas weiter auf unserem Rundgang erreichten wir der Kolonien von Fregattvögeln. Hauptsächlich Jungtiere, erkennbar an ihrem weißen Kopf der später schwarz wird, bevölkerten die umliegenden Bäume. 

Nieselregen setzte ein und es war Zeit zurück zum Boot zu laufen. Bevor es zurück nach Puerto Lopez gehen würde, stand noch eine Stunde Schnorcheln an. Warum auch immer, sämtliche Taucherbrillen, die ich probierte, waren undicht. Irgendwo lief immer Wasser herein. Trotzdem war der Ausblick auf die Unterwasserwelt der kleinen, der Küste vorgelagerten Riffe wunderschön. Schwärme bunter Fische umgaben uns in der Strömung der Brandung. Das Gefühl der Schwerelosigkeit in den Wellen und der Anblick der Unterwasserwelt darunter hatte etwas von Schweben im Raum. Leider war auch das viel zu schnell vorbei und es ging Vollgas zurück.

 

Am späten Nachmittag erreichten wir Puerto Lopez. Zu spät, um wie geplant weiter zu fahren. Da ich nicht noch eine Nacht in dem überteuerten Hostel ohne Parkplatz für Katie verbringen wollte, fiel mir wieder mein ursprünglicher Anlaufpunkt ein. Das "geschlossene" Hostel. Ein paar Blocks weiter gelegen, machte es heute gar nicht mehr so einen geschlossenen Eindruck und Katie konnte auch im Innenhof übernachten. Für 8 Dollar war die Unterkunft schon seeeehhhhr basic. Aber was soll's? Wer lange reist muss auch auf's Budget achten und ist nach Ländern wie Bolivien und Peru eh einiges gewöhnt. Und für eine Nacht wird es gehen. Morgen steht dann eine sportliche Etappe bis kurz vor die Grenze an. Dann geht es weiter nach Peru. Momentan liege ich leicht vor meinem Zeitplan und hoffe den Vorsprung wenigstens halten zu können.

30. Januar 2018

 

Nach einem Tag voller Kurven entlang der Küstenlinie, mit einem frischen Drink "Agua de Coco", erreichte ich etwas außerhalb von Santa Rosa den Campingplatz "Complejo Deportivo el Arenal". Mit einem Pool, Straußen und einer Menge Viehzeug, war der Platz mit seinen halb fertigen Gebäuden auf der einen Seite schon etwas trashy, auf der anderen Seite war er perfekt für mich und überaus günstig. In einem Rohbau mit Wellblech konnte ich mein Zelt aufschlagen. Schatten und geschützt vor dem abendlichen Nieselregen, war es so wie es war, genau richtig für meine Bedürfnisse. Die Besitzer waren unglaublich freundlich, das Essen einfach, aber lecker und das Bier günstig. Der Abend zog herauf und damit begann meine letzte Nacht in Ecuador. Morgen würde ich die Grenze nach Peru überqueren.

 

Der Fahrstil der Leute hier im Süden erinnerte schon stark an das, was ich aus Peru kannte. Hektik, Hupen und Chaos waren deutlich präsenter als in Quito oder an der Küste. Was leider auch auffiel war der immer stärkere Raubbau der ursprünglichen Landschaft. Viel Brandrodung entlang der Küste, oftmals schwelten die Feuer noch und Rauchsäulen stiegen auf. Leider ist das generell ein trauriges Markenzeichen Ecuadors. Auch in den Bergen wurde und wird noch immer der Urwald oft ein Raub der Flammen, um Nutzfläche für Weidevieh zu schaffen. Die damit einhergehende Erosion des Bodens ist eine häufig sichtbare Folge davon. 

 

Während meine Zeit in Ecuador Revue passierte, war es Zeit mich in meinen Schlafsack einzurollen. Die Brise der Nacht war eine Wohltat nach der heißen Schwüle des Tages.

31. Januar 2018

 

Nach einer Runde Schwimmen im Licht des frühen Morgens begann der Tag. Zeit zusammenzupacken und aufzusatteln. Die schnell einsetzende, brütende Hitze verzögerte den Akt des Packens jedoch ungemein. 

Trotzdem schaffte ich es gegen 9 Uhr los zu kommen und steuerte zunächst eine Tankstelle an. So billig wie in Ecuador würde der Sprit nicht mehr werden. In Peru ist der Sprit ungefähr doppelt so teuer wie in Ecuador. Zwar immer noch günstig, verglichen mit Deutschland, aber es ist schon ein Traum die Galone zwischen 2,10 und 2,30 Dollar zu bekommen. Wohlgemerkt: 3,75 Liter!!! Außerdem bedeutet ein voller Tank einen ganzen Tag fahren ohne lästigen Tankstopp.

 

Von der Tankstelle ging es weiter in Richtung Grenze. Dort angekommen, musst ich erst einmal ausfindig machen wo Zoll, Immigration etc. waren. Witzigerweise war der Zoll zum Verlassen Ecuadors noch auf ecuadorianischer Seite. Normalerweise musste ich IMMER zuerst zur Immigration. Diese wiederum befand sich auf der anderen Seite der Grenze, auf der peruanischen Seite. Und auch ein Schild, auf dem steht "Ausreise Ecuador" bedeutet nicht, dass dies auch wirklich die Schlange dafür ist. So kann man schön Zeit an Grenzen verplempern. Ein bisschen taten mir die Posten im neonfarbenen Vollornat leid, die den ganzen Tag in der Hitze stehen und Idioten einfangen mussten.

 

In der Nachmittagssonne erreichte ich Piura und schlängelte mich durch die Stadt, auf dem Weg zum Hostel. Das erreichte ich auch recht schnell, doch irgendwie schien die Klingel nicht zu funktionieren. Kein Mensch öffnete das Tor. Nach mehreren erfolglosen Versuchen spielte ich mit dem Gedanken mein Gesäß wieder auf Katie zu schwingen und weiter in Richtung Süden zu fahren. Doch die nächste Unterkunft war kaum im Licht des Tages zu erreichen und meine Lust wirklich weiterzufahren war... tendenziell negativ und stark fallend. 

Irgendwann reagierte jemand auf mein Klingeln. Das Tor wurde geöffnet und der Parkplatz für Katie tat sich auf. Luxus! Mein Schlafplatz war dagegen deutlich weniger luxuriös, aber das war vollkommen egal! Ein Bett für die Nacht, ein Abstellplatz für das Motorrad und eine Dusche waren gefunden. Zeit aufzutanken für den morgigen Tag. Denn der wird vor allem eins werden: Lang.

 

Egal, die Aus- und Einreise dauerten unterm Strich nicht wirklich lange und wurden durch ein nettes Gespräch mit einem Paar Schweizern auf Endlosreise und einer Truppe Australiern auf Motorrädern verkürzt. Als ich alles zusammen hatte, stürzte ich mich in den chaotischen Verkehr Perus. Die Landschaft war schlagartig ausgedörrt und staubig. Müll überall, Fahrzeuge, die mehr Rostlöcher als Substanz über die Straßen schleppten und die bei mir besonders verhassten Tuctucs, deren Fahrer oft wie kleine Äffchen darin hockten und offensichtlich in der Annahme totaler Unverwundbarkeit auch so fuhren. Nach hinten schauen beim Fahrspurwechsel? -Warum? Blinken? Wie denn, wenn die Rücklichter nur noch aus gammeligen Ruinen bestehen? In den Orten war besondere Aufmerksamkeit geboten. Rudel dieser abenteuerlichen Gefährte bevölkerten die Straßen. Nicht selten blockierten sie diese, in dem sie wie in Zeitlupe nebeneinander fuhren, während sich die Fahrer lachend über dies und jenes austauschten. Sofern möglich nutzte ich die sandigen Seitenstreifen, um die Szenerien schnellstmöglich hinter mir zu lassen. Interessant auch, dass die Fahrer im Dunkel oft ohne Licht unterwegs sind und dieses nur dazu nutzen herumzufunzeln, wenn sie einem auf der falschen Spur entgegenkommen. Gott, wie ich diese Erscheinung hasse! Unbedarftheit ist das eine, Dämlichkeit hinterm Steuer eine andere, für mich einfach nicht zu ignorierende Unart, da es oft genug mit diesen Gesellen in der Vergangenheit bereits fast geknallt hatte.

 

Die oftmals lange geradeaus führenden Straßen waren durch die enorme Hitze, den Staub und die oft vollkommen zerbombte Oberfläche (das hatte tatsächlich oftmals Züge eines Bombenangriffs) mit üblen Schlaglöchern, Schotter und Sand ziemlich ermüdend. Bei einer kurzen Pause merkte ich wie heiß es ohne den kühlenden Fahrtwind tatsächlich war. Bloß schnell weiter. Je näher ich Piura, meinem Tagesziel, kam, desto übler wurde der Straßenzustand. Irgendwann war die Straße komplett verschwunden. LKW und Busse zogen riesige Staubschleppen hinter sich her, die Sicht war gleich null. Wo immer es ging lautete das Motto: Mut zur Lücke und durch. 

An einer Baustelle dann der totale Stillstand. In der sengenden Sonne stand ich und hatte das Gefühl eines gekochten Eis. Dass alles stand und auf die Durchfahrt des Gegenverkehrs wartete, hielt einige Fahrer nicht davon ab ihr Glück zu versuchen und die Schlange der Wartenden links zu passieren. -Man kann's ja mal versuchen. Die dabei an den Tag gelegte Dreistigkeit war immer wieder verblüffend.

 

Mindestens ebenso verblüffend war die Menge des Mülls, der wirklich beinahe überall herumliegt. Es ist schier unglaublich. Wo sie gehen und stehen schmeißen die Leute ihren Abfall in die Gegend. Wo andernorts eine Böschung die Straße säumte, waren es hier Mülltüten und Verpackungen. Kommt Wind hinzu, ergibt sich ein Teppich aus Plastiktüten, alten Reifen und Softdrinkflaschen. Hinzu kommen Hügel von Bauschutt überall. Leider geht das -gerade bei der Hitze- oft genug einher mit wechselnden Gestanknoten. Selbst in China kann ich mich nicht erinnern so viel Müll und den achtlosen Umgang damit gesehen zu haben.