14. November 2017

 

Die Einreise nach Peru verlief erstaunlich entspannt. Über die RN1 erreichten wir die bolivianisch-peruanische Grenze, direkt am Titicacasee. Es begann das übliche Prozedere aus Stempeln, Einzug der Fahrzeugpapiere des Ausreiselandes, Stempeln und Erstellung neuer Papiere für die Motorräder. Dabei waren die Grenzer beiderseitig ungemein hilfsbereit und freundlich. Trotzdem dauerte die Einreise nach Peru etwas länger, da wir die Motorräder im Grenzbereich stehen lassen und unsere Einreiseformalitäten abwickeln mussten. Mitten im bunten Treiben an und um die Grenze. Das allein zu beobachten war hochinteressant. Was da alles für Pakete, Säcke, Passagiere und Gepäck aller Art auf dreirädrigen Fahrrädern hin und her gekarrt wurden...

 

Schließlich und endlich hatten wir alles zusammen. Zeit sich durch das Getümmel der Marktstände zu kämpfen, was aufgrund der Enge und des ganzen Woolings durchaus sportlich war. Wir wollten nur ungerne mit unseren Taschen die Reis- und Bohnensäcke der Marktfrauen umreißen...

 

Letztlich landeten wir in einem Hostel, etwas außerhalb von Puno. Morgen geht's auf den See mit seinen schwimmenden Inseln.

15. November 2017

 

Die Nacht hatten wir in einem Hostel, bzw. Hotel 15km außerhalb Punos verbracht. Irgendwo im Nirgendwo. Zu Essen gab es außer Keksen aus einer Glasvitrine nichts. Also selber kochen. Das alte Spiel, wie bekomme ich aus möglichst wenig Zutaten mit einigen Gewürzen etwas essbares.

 

Am Morgen dann der Ritt nach Puno. Zunächst eine Polizeikontrolle. Die Jungs waren jedoch vollkommen harmlos. Zollpapiere, Pass und unser Einreisezettel, das war alles. Gute Fahrt, der nächste bitte. In Puno angekommen erreichten wir das Hostel, recht zentral gelegen und mit einer abschließbaren Abstellmöglichkeit für die Motorräder.

Da Christian schon seit seiner Rückkehr aus Santa Cruz kränkelt und nun auch noch Fieber dazu gekommen ist, geht's für Ihn zum Arzt, während Daniel und ich zu den schwimmenden Inseln fahren wollten. Auf dem Weg zum Hafen schnell noch Tickets abgefasst und auf die Ratschläge eines Verkäufers gelauscht: Wenn Ihr was essen wollt, macht es hier. Die Leute auf den Inseln nehmen das Wasser des Sees zum Kochen. Wenn Ihr was trinken wollte, macht es hier. Und übrigens, neben Eurem Ticket müsst ihr noch 5 Soles für den Kapitän abdrücken. 

 

Am Ende des Hafens angekommen, ist der Titicacasee eine grünlich trübe Brühe. Geruchlich auch kein Highlight, aber wir sind ja nicht zum Baden her gekommen. Nach einer halben Ewigkeit auf einem der kleinen Boote ging es auch endlich los. Durch Schilflandschaften zu den schwimmenden Inseln. Diese werden von ihren Bewohnern immer wieder von oben mit Schilfrohr aufgefüttert. Sie schwimmen tatsächlich, bei Wellengang hebt und senkt sich die ganze Geschichte. Sieht interessant aus. Kaum landete unser Kutter an einer der Inseln, kamen ihre Bewohner auf das Schiff zugestürmt, um es festzumachen. -Ob das wohl so eine Touristenfalle wird? Ja. Nachdem der "Chef" der Insel uns erklärt wie der See zu seinem Namen gekommen ist, während wir auf Schilfrollen sitzen, die leider mit in Gewebeplane eingewickelte PET Flashen ausgestopft sind, wurden wir auf verschiedene herbeigeeilte Andenmuttis (Damen in der für die Ureinwohner typischen Tracht) aufgeteilt und aufgefordert deren kleine Hütten zu betreten. Aha... Gleich kommt's. Nach kurzer Erläuterung (Licht dank Solarzelle und großer Starterbatterie, Fernseher leider nur in schwarz weiß, ging es auch flugs ans Eingemachte. Wir waren ja nicht zum Spaß hier, sondern um -typisch Touristen- landestypischen Tünneff zu erwerben. Kopfkissenbezüge, Anhänger, Tischdecken. Alles Dinge, die ich in den letzten 6 Wochen bereits des Öfteren schmerzlich vermisst habe. Weil ich für solches Zeug einfach keinen Platz habe. Und das wird sich auch nicht ändern.

Nachdem wir mehrfach erklärten, dass wir die dargebotenen Sachen weder brauchen noch kaufen wollen, noch irgendwo sinnvoll unterbringen könnten, ist es Zeit die Veranstaltung abzubrechen. Die Tränendrüsennummer zog heute auch nicht. Sorry. Ich hasse es Dinge zu kaufen, die ich weder schön finde, noch gebrauchen kann. Wir waren froh wieder auf unserem Kutter zu sitzen und dieser speziellen Veranstaltung zu entfliehen. Immerhin, die schwimmenden Inseln selbst sind echt interessant. Nur der Tourinepp, der nervt dann doch ziemlich. Auf der Rückfahrt kamen uns schon die nächsten potenziellen Opfer entgegen. Mit Schwimmwesten bewaffnete Herrschaften, die ihrem Kentern im knietiefen Wasser bestimmt erwartungsvoll entgegensahen. Mann, Mann, Mann... Man kann sich auch als eh schon offensichtlicher Touri noch so richtig zum Brot machen.

 

Der Nachmittag war rum, wir wieder an Land, Zeit den Rest des Tages anzugehen. Da das Internet in den letzten Tagen so langsam ist, dass ich für das Hochladen eines Bildes -sofern ich überhaupt auf die Seite zugreifen konnte, locker 15-20 Minuten brauchte, gibt's von den letzten Tagen mehr Text als Bilder. Ich hoffe, dass ich das noch nachholen kann.

 

Abends, Christian war wieder zurück vom Arzt, jedoch ohne klaren Befund, beschlossen wir noch einmal durch die umliegenden Kneipen stöbern zu gehen. Heute war das Fußballspiel Peru gegen Neuseeland für die WM-Qualifikation 2018. Die Spannung in der Luft ließ sich greifen. Überall Fahnen, T-Shirts und angemalte Menschen. Nicht schlecht! Doch es kam sogar noch besser. In einer Kneipe sitzend verfolgten wir das Spiel. Die Peruaner spielten klar besser als die lahmen Kiwis und gewannen letztlich verdient. Derweil brach in der Stadt ein Inferno aus. In der Kneipe jubelten und tanzten die Leute, die Straßen füllten sich mit Menschenmassen. Noch am nächsten Morgen liefen die Highlights des Spiels in Endlosschleife auf allen Kanälen. -Zeit weiterzufahren. Wir haben's ja nun einmal live miterleben dürfen.

16. November 2017

 

Als Ausgangspunkt für eine Tour zum Machu Picchu bleibt eigentlich fast nur Cusco. Die 380km von Puno dahin sind asphaltiert und besser ausgebaut als die Strecken in Bolivien. Für einen Tagesritt durchaus zu schaffen. Durch den extrem frühen Sonnenaufgang gegen halb fünf begann der Tag auch entsprechend früh. Wir verließen Puno. Etwa 160km vor Cusco passierten wir Aquas Caliente, heiße Quellen. Beim Tank Stopp 25km später beschlossen wir umzudrehen und die Temperatur zu erfühlen. Regen zog auf, es wurde düster.

Die Thermalquellen kamen an verschiedenen Stellen aus dem Boden. Das Wasser brodelte. -Wäre schön wenn man so etwas auf dem eigenen Grundstück hätte. Sorgen um die Heizungs- oder Stromrechnung wären Schnee von gestern. 

 

Nach einem kurzen, heißen Bad ging es weiter Richtung Cusco. Die Dunkelheit brach früh über uns herein. Irgendwie scheint dieser Wechsel von Tag zur Nacht auch einen Schalter bei einigen Verkehrsteilnehmern, vorrangig Bus- und LKW-Fahrern ausgelöst zu haben. Gerade die Fahrer der Überlandbusse rasen wie die Bekloppten. Je näher wir Cusco kamen, desto übler wurde es. Offensichtlich gilt hier nur noch das Recht des Stärkeren auf der Straße. Autofahrer halten einfach drauf, wohlwissend, dass sie maximal einen Blechschaden davontragen. Das Ganze ging soweit, dass ein Minibus versuchte zu verhindern, dass Daniel sich vor ihm einfädelte. Dafür war ihm offensichtlich auch recht das fahrende Motorrad beiseite zu schieben. Es hätte nicht sehr viel gefehlt und die Maschine hätte samt Fahrer auf dem Asphalt gelegen. Vollkommen benagelt! Und es ging so weiter. Warum auch immer, hier herrschen offensichtlich rauere Sitten. 

Zusammen mit der stark touristischen Prägung der Stadt spüre ich immer mehr das Verlangen das Weite zu suchen. Pfeif auf Machu Picchu. Montezumas Rache hat mich seit letzter Nacht fest im Griff und ich hasse touristisch überlaufene Orte, an denen mich immer das Gefühl beschleicht maximal über den Nuckel gezogen zu werden. Da kann das Ziel noch so schön sein, ich habe einfach aus Prinzip keine Lust mehr darauf.

 

Nun liege ich hier im Hostel herum und traue mich nicht meinen Aktionsradius auf mehr als 10 Meter um die nächste Keramik zu erweitern. Irgendwie werden Cusco und ich wohl diesmal keine Freunde.

19. November 2017

 

Morgen früh geht es endlich weiter. So langsam sitze ich hier auf glühenden Kohlen. Warum auch immer, auf den Wahnsinn hier in Cusco habe ich überhaupt keine Lust. Vielleicht bin ich verwöhnt von der Freundlichkeit der Bolivianer und fühle mich deshalb hier nicht besonders wohl. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass die Peruaner auch sehr freundlich sind. So lange sie nicht hinter dem Steuer eines Vehikels sitzen. Morgen werde ich in aller Frühe aufbrechen. Hoffentlich bevor das maximale Chaos auf den Straßen losbricht. Es stehen 340 kurvige Kilometer an. Das sollte machbar sein. Übermorgen Abend will ich in Ayacucho sein, wo Daniel und Christian von ihrem Machu Picchu Trip eintrudeln sollten. Von da aus sind es dann noch etwas über tausend Kilometer nach Lima, wo es für die Motorräder neue Reifen und für uns ein paar Tage Ruhe geplant sind. 

Danach geht es (zumindest für mich) ziemlich zügig, die letzten 1800km bis nach Quito weiter. Ab da reisen die anderen beiden alleine weiter nach Kolumbien, wohin ich ihnen Mitte Dezember folgen werde.

21. November 2017


Nach mehrere Tagen Boxenstopp konnte ich gestern endlich aus Cusco verschwinden. Die Fahrt aus der Stadt war begleitet von einigen Beinahekollisionen, was in Anbetracht der Fahrweise dort nicht überrascht. Entlang der Ausfallstraße in Richtung Westen kamen noch ein paar kleine, verwahrlost wirkende Orte. Die Unterschiede zwischen den offensichtlich wohlhabenderen Bewohnern der Stadtzentren und den teils bitter arm wirkenden Bewohnern der Randgebiete ist nicht zu übersehen und macht nachdenklich.

 

Die Randgebiete Cuscos und der umliegenden Orte endeten und es begann ein endloses Geschlängel von Kurven. Schnell wurde deutlich, dass meine Reifen nach nunmehr über 8000km ihren Zenit überschritten hatten. Vor allem der hintere begann beim Wechsel von Geradeausfahrt in Kurvenlage vernehmlich zu rutschen. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob es an der Melange aus Diesel, Öl und was auch immer lag, die sich als schmieriger Belag in den Kurven  breit machte.
Trotzdem war die Straße insgesamt in einem prima Zustand und so kam ich zügig vorwärts. Entlang zerklüfteter Bergflanken wand sich die Route zwischen 1200 und über 4000m Höhe. Nach ein paar Stunden bemerkte ich, dass ich mehr passiv und aus Routine als aktiv und aus Begeisterung fuhr. Die Bremspunkte waren nicht präzise, die gefahrene Linie nicht sauber. So ganz fit war ich wohl einfach noch nicht.


Kurz Tanken, die Suppe erinnerte sowohl in Farbe als auch Geruch an das Gebräu, das uns in Argentinien angedreht wurde. Mal sehen was das hier kann, außer zu stinken. Frau Katie nahm es mit Fassung und pötterte stoisch weiter. Es begeistert mich immer wieder wie brav das kleine Gerät nach all den Schlägen und Stürzen läuft.


Etwas weiter oben machte ich kurz halt, um den Zuckerspeicher aufzufüllen. Ein guter Einfall, wie sich später herausstellte. Weiter dem Auf und Ab, den Kurven und Kehren folgend, näherte ich mich meinem Tagesziel Andahuaylas. In dem kleinen, staubigen Ort angekommen fand ich das Hotel in einer Seitenstraße. Klar, dass das eine Einbahnstraße war und mein Navi mich verkehrt herum hineinführte. Machte aber nix, ich musste eh warten bis ich auf den "Privatparkplatz" konnte. Dieser befand sich hinter einer schmalen Eingangstür und war ein dunkler Gang. Mit viel Gas bekam ich die zu breite Fuhre durch dieTür und konnte sie an die Wand lehnen. Der Seitenständer ließ sich kaum ausklappen. Aber: Frau Katie hatte einen gesicherten Platz für die Nacht und ich musste mir um das ganze Gerödel keine Sorgen machen. Nach sechseinhalb Stunden hatte ich die 340km hinter mir gelassen und war durchaus nicht unglücklich den heutigen Fahrtag am frühen Nachmittag beendet zu haben.


Zeit die Stadt zu erkunden. Auf der Suche nach einem Bankomaten stolperte ich über buckelige Fußwege. Irgendwie war mein Navi anderer Meinung über die Position der wenigen Geldautomaten. Pfeif drauf, dachte ich mir. Irgendwann wird schon ein Monetenspender auftauchen. So wanderte ich durch Andahuaylas, doch scheinbar besteht diese kleine Stadt fast ausschließlich aus Geschäften aller Art. Ferreterias, Eisenhandelswarengeschäfte, kleine Tante Emmaläden, Zahnärzte, kommunale Kreditgesellschaften, Polizei, alles fand ich. Nur keinen Geldautomaten. Irgendwann, in einer Wandnische entdeckte ich dann doch einen. Bingo, weiter geht's!
Da hier nicht viel zu entdecken war, schlenderte ich zurück zum Hotel. Früh ins Bett heißt auch früh wach werden. Und die Aussicht am Folgetag wieder früh Feierabend machen zu können war nicht die Schlechteste.


In meinem Zimmer angekommen funktionierte auch das Internet gerade. Die Gelegenheit mit der Außenwelt den letzten Klatsch und Tratsch auszutauschen.


Am späteren Abend kam eine Nachricht von Christian und Daniel rein. Die beiden waren auf dem Rückweg vom Machu Picchu. Starke Regenfälle hatten die Straße weggespült und zwangen die beiden durch diverse Flüsse zu fahren. Diese waren offensichtlich deutlich tiefer als das, was Daniel und ich um Buena Vista durchfahren hatten. Immerhin war Christians Motorrad komplett im Wasser und er letztlich auch bis zum Helm. Daniels Maschine ging es nicht viel besser, nur dass diese danach aus eigener Kraft nicht mehr anspringen wollte. Erst nach Anschleppen war sie zum Weiterlaufen zu bewegen. Vollkommen fertig, nass, schlammig und ohne Platz für die Nacht saßen die beiden vor einem Kiosk irgendwo im Nirgendwo. Da wurde mir klar was für einen entspannten Tag ich dagegen hatte. Mit jedem weiteren Detail über den Tag war ich glücklicher die "Tourinummer" ausgelassen zu haben.
Vielleicht schaffe ich es auf dem Rückweg nach Chile die kleine Schwester Machu Picchus, Choquequirao, zu besuchen. Das würde bedeuten vier Tage Wanderung hin und zurück und keine Touristenmassen. Wäre schön wenn ich es noch auf die Reihe bekäme, da die peruanische Regierung wohl den Bau einer Seilbahn zur historischen Stätte plant, um den mühseligen Weg durch den Dschungel zu vereinfachen. Das würde dann auch bedeuten, dass statt fünfzig Touristen eher mehrere tausend täglich dort auftauchen werden.
So endet ein ursprünglich ganz normaler Tag dann doch noch mit einer spektakulären Geschichte.

21.November 2017

 

Heute ging es entspannte 240km durch Kurven, Kurven, Kurven. Und Serpentinen. Die Straße war nahezu perfekt ausgebaut, sofern keine Ortschaften kamen. Das ist so ein peru-spezifisches Phänomen. Außerorts super, innerorts eine Katastrophe, gerade für Motorradfahrer. Tiefe Rinnen, tiefliegende (nicht tieffliegende) Gullideckel und so weiter. Dazu Straßen wie ein Panzertrack.

 

Halb neun fuhr ich los, kurz nach zwölf war ich Ayacucho am Hotel. Und die Fahrt hatte richtig Spaß gemacht! Leider waren die anderen beiden noch nicht da. Also warten... Die erste Nachrichten trudelten ein. -Ob ich Kühlerfrostschutz besorgen könne, Daniel KTM verbraucht jetzt auf einmal das Zeug. Oh oh... Der Blick auf den Tracker offenbarte: Noch 80km für die beiden. Und das gegen drei Uhr nachmittags.

 

Als sie endlich ankamen, gaben sie ein Bild des Elends ab. Die nassen Stiefel hinten auf die Taschen geschnallt, die Motorräder total verschlammt. Sie selbst nicht viel weniger. Au Backe. Die Erzählungen hatten es in sich. Hangrutsche, die dazu führten, dass die Straße, oder besser der Weg kaum passierbar war. Über den Weg stürzende Bäche, die jedoch reißend und gerade der letzte, voller Schlamm und Geröll waren. Durch die hohe Fließgeschwindigkeit und die mitgeführten Steine, war ein Durchfahren unmöglich. Die Räder rutschten weg und durch die Steine wurde der Schalthebel getroffen, so dass der eingelegte Gang raussprang. Ein paar Einheimische standen wohl da und filmten das Ganze hochinteressiert. Gaffer gibt es also nicht nur auf deutschen Autobahnen... Hinzu kam, dass es zu dem Zeitpunkt bereits dunkel war. Es hätte wohl nicht viel gefehlt und die Maschinen hätten nicht nur komplett im Wasser gelegen, sondern weiter hangabwärts und das wäre es dann auch gewesen. Schwein gehabt.

Je mehr Details ich erfuhr, desto glücklicher war ich doch aus anderen Gründen in Cusco geblieben zu sein und die "Komfortroute" genommen zu haben. 

24. November 2017

 

Ein paar Tage war Ruhe im Karton. Zeit den Reiseblog zu aktualisieren. 

Nachdem die Stimmung am Abend in Ayachucho nicht so toll war, die Ereignisse des Tages mit dem Versenken der Motorräder, dem durchaus nicht unmöglichen Verlust der Maschinen in der Strömung und den Folgeschäden an ihnen, drückten doch etwas auf die Laune, startete der neue Tag sonnig und mit einem Ölwechsel an Daniels Maschine auf der Straße, vorm Hotel.

Gegen Mittag waren wir soweit die 340km bis Pisco unter die Räder zu nehmen. Durch den chaotischen Verkehr und den Dreck quälten wir uns durch Ayacucho. Die Navis führten uns mal in eine Baustelle, mal immer höher den Berg hinauf in Seitenstraßen, die sich als Treppen herausstellten. Die 990 Adventure begann seltsam zu laufen und massiv nach unverbranntem Sprit zu stinken. Beim Anfahren an einer Steigung dann, wurde es der armen Maschine zu viel. Nix ging mehr, ein Zylinder verweigerte die Spritverarbeitung.

Glücklicherweise mussten wir an der Stelle umkehren und bergab fahren. In Summe wurde es dem V2 zu heiß. Stop and Go, starke Steigungen, auch unsere Eintöpfe hatten zu kämpfen, der Lüfter war im Dauereinsatz.

Schließlich fanden wir den Weg aus diesem Labyrinth. Die Geschwindigkeit stieg, die Lüfter verstummten. Auch Daniels Adventure lief wieder auf voller Kraft.

 

Die erste Tankstelle nach der Stadtgrenze, die 97 oktanigen Sprit anbot, war unsere. Die Österreicherinnen sollten endlich mal wieder vom Besten zu Fressen bekommen.

 

Je weiter wir uns von der Stadt entfernten, desto schöner wurde die Strecke. Unzählige Kurven warteten auf uns. Es ging zügig höher und höher bis auf 4700m. Ein Wahnsinnspanorama breitete sich vor uns aus. Die Serpentinen nach unten schwingend, wartete der nächste Anstieg auf bis auf 4500m auf uns. Diesmal wurde es frisch. Hinzu kam Regen. Die Straßen dampften gaben ein surreales Bild ab. Es wurde kälter und auf den kargen Wiesen neben der Straße lag eine dünne Decke wässrigen Schnees.

Es war verdammt kalt mit nur einem Longsleeve unter der Kombi. Ich hatte das Gefühl mein Nacken würde aus Eis bestehen.

Als wir endlich die Hochebene verließen, stiegen die Temperaturen mit jedem Höhenmeter, den wir hinter uns ließen. Endlich wurden die steifen Knochen wieder beweglich.  Mit dem Leben, das zunehmend wieder von unseren Körpern Besitz ergriff, stieg auch die Fahrfreude. Kurven, Geraden, Serpentinen. Ein Swing mit den vollbeladenen Motorrädern. Die Reifen liefen auf den äußersten Profilblöcken, eine Supermoto ohne Gepäck wäre die einzig mögliche Steigerung des Fahrspaßes gewesen. 

Und dieser Fahrspaß hielt bis Pisco an.

 

Das gebuchte Hotel war in Strandnähe. Die Motorräder konnten wir in die Lobby stellen. Die Betreiber waren super nett und hilfsbereit. Sie gingen sogar mit, in den nächsten Shop, um Zigaretten zu kaufen. Das Hotel selber war auch absolut top. Warme Dusche, sauber, und Betten waren von der Sorte: Einmal drinnen, war die Abendplanung gelaufen.

 

Wir beschlossen hingegen mit einem Tucktuck ins Zentrum zu fahren. Eine abgefahrene Geschichte. Wie die Hühner auf der Stange hockten wir zu dritt in der kleinen Büchse. Zornig dröhnend, von einer stattlichen Amazone dirigiert und mit blinkenden Lichtern im Innenraum, die die Dramatik der Situation zu verstärken suchten, stachen wir in das Chaos hinein. Zeit sich die Konstruktion etwas näher zu betrachten. auf ein Fahrgestell wurde eine in ihrer Form an einen Kugelfisch erinnernde Kabine aus GFK geschraubt. Die Kipptendenzen des Gefährtes in schnell genommenen Kurven konnten angesichts der rolloptimierten Form nicht mehr erschrecken. Die Chance auf allen drei Rädern zu landen, erschien nicht gering. Hupend und blinkend waren wir gefühlt kurz vorm Durchbrechen der Schallmauer, als unsere Fahrt an einer Straßensperre unterbrochen wurde. Die versierte Pilotin erklärte der Ordnungshüterin, dass wir Touristen seien und einen Block weiter zu einer Lokalität fahren müssten. -In Deutschland undenkbar, wurden wir mit der Begründung durchgewunken.

 

Auf dem Rückweg zum Hotel ergatterten wir ein Taxi. Ein Toyota Corolla älterer Bauart in der "Südamerika", also low Budget Variante. Fehlende Verkleidungen, einfacherer Beleuchtung außen (innen war sowieso der gesamte Christbaum möglicher Warnleuchten am glimmen, Blattfedern und Starrachse hinten, aber auch unter wüstester Misshandlung quasi zum ewigen Leben verdammt. Wir rumpelten zurück und fielen in die Betten. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern, Feierabend.

 

Nachdem wir uns am Vormittag des Folgetages aus Pisco herausgewühlt hatten,  ging es die Küstenstraße in nördlicher Richtung nach Lima.

Die Gegend wurde ärmlicher und vor allem schmutziger. Die nächste kleine Stadt ein Ort zum Weglaufen. Überall Dreck, Müll und halbfertige Häuser, die mehr an Ruinen als an Behausungen erinnerten. Dazu kam übler Gestank von herumliegendem Müll. Die Vorstellung hier leben zu müssen war ungemein bedrückend, der graue Himmel rundete das traurige Bild ab.

 

Weiter ging es, schnurgeradeaus. Wir erreichten Lima und bereits 40 Kilometer vor der Stadt wurde der Verkehr dichter und chaotischer. Durch das Gewimmel kämpften wir uns an tobenden Busfahrern vorbei zur Touratechvertretung. Unsere Moped sollten neue Reifen bekommen. Der Laden wartete mit den üblichen Blinkblink-Accessoires für die geneigte BMW GS-Kundschaft, aber auch mit einer top organisierten kleinen Werkstatt und einem fähigen Mechaniker auf. Während wir unsere Maschinen aufbockten und umwarfen (ich), und das jeweils ausgebaute Rad in die Werkstatt rollten, bekamen sie ihre neuen Schuhe aufgezogen.

 

Weiter ging es durch den dichten Verkehr von Lima zu unserem Platz für die nächsten drei Tage. Die Aussicht ein paar Tage wieder nicht fahren zu müssen, war verlockend. der Feierabendverkehr weniger.

Auf dem Weg ergaunerte Daniel bei einem KTM Händler auch noch einen Reifen für seine Adventure. Die Zeit im Hostel würde also zum Teil auch für Wartungs- und Reparaturarbeiten drauf gehen. Der chronische Wasserdurst der "großen" KTM musste auch ergründet werden. 

Es stellte sich später heraus, dass die Wasserpumpe zur Inkontinenz neigt und den Wasser- nicht mehr vom Ölkreislauf trennen konnte.

Daraus ergab sich die für südamerikanische Verhältnisse spannende Frage: Woher und wie schnell lassen sich die benötigten Teile organisieren?

 

 

 

 

 

 

 

26. November 2017


Vor ein paar Tagen trafen wir in Pisco ein. Leider schafften wir es nicht einen Pisco Sour aufzutreiben. Irgendwie stand uns der Sinn nur noch nach Nahrung und Bett. Das wiederum war in einem super netten Hotel. Da es keinen Privatparkplatz für die Motorräder gab, durften wir sie in die geflieste Lobby stellen. Wellness für die Mopeds.


Morgens schnell tanken und weiter. Zum ersten Mal seit Langem gab es wieder guten Sprit. Ziel heute war Lima. Nach nunmehr 9000km war es Zeit neue Reifen aufziehen zu lassen. Von den "Alten" war nicht mehr besonders viel übrig. Tiefe Schnitte, abgenutztes Profil, es war Zeit.
Zeit war es auch sich um Daniels Kühlwasserschwund zu kümmern, der langsam immer mehr ausuferte. Wir bekamen den Tipp in Richtung der Wasserpumpe zu suchen. Diese neige bei höherer Laufleistung dazu Öl nicht mehr von Wasser trennen zu können.


Der Verkehr zu Hostel war wie in allen größeren Städten in Peru: Abenteuerlich. Aber nicht rabiat wie in Cusco. Das bleibt ein Alleinstellungsmerkmal meines "geliebten" Touristenlochs.


Am nächsten Tag die Erkenntnis bei Daniel: Seine Wasserpumpe sorgte nicht mehr nur für die Umwälzung der Kühlflüssigkeit, sondern mixte auch eine feine Öl-Wasser-Emulsion. Der Dichtring, der beide Flüssigkeiten voneinander fernhalten sollte, war verschlissen und konnte seine Funktion nicht mehr wahrnehmen. Wie es der Zufall wollte hatte der KTM Händler in Lima alle Teile vorrätig. Und auch sonst wäre das sogar für Christians Kopfdichtungsschaden vermutlich die bessere Adresse gewesen. Wäre... Jetzt wussten wir's.


Nach ein paar Tagen Ruhe und Bastelei war es Zeit aufzubrechen. Mein Termin in Quito rückte immer näher. Aus Lima raus war pures Chaos. Entgegen unserer Hoffnung, dass am Sonntag weniger los wäre, schien die halbe Stadt auf Achse zu sein. Die ersten 50km bis wir schließlich auch die Randbezirke hinter uns gelassen hatten, kosteten uns ungefähr eine Stunde. Nicht ohne, dass ich in einem verstauten Tunnel stecken blieb, mit meinen Taschen mehrere Autos und Busse touchierte und einem davon den vorderen Stoßfänger teilweise demontierte. Ich war Teil des Chaos geworden...


Die Randbezirke von Lima warteten mit dem typischen traurigen Bild auf: ärmliche Hütten, dreckige, unbefestigte Staubstraßen und überall entlang der Schnellstraße Tonnen von Bauschutt und achtlos hingeworfenen Mülls.


Die Straße schlängelte sich entlang der Pazifikküste. Rechts Sand- und Steinwüste, links der Ozean. Ein angenehm kühler Wind begleitete uns.
Am Nachmittag erreichten wir Tortugas. In einer ruhigen Bucht gelegen, erinnerte mich der Ort irgendwie an Griechenland. Steinstrände, klares Wasser... Sofort begann ich in meinem Kopf Urlaubspläne für die Zeit nach meiner Rückkehr zu schmieden. Ich bin zwar noch vier Monate unterwegs, doch auch so ist das Ende meiner Reise zumindest absehbar und ich brauche einen Plan für die Zeit danach. Das Vagabundenleben muss weitergehen und mit Plänen und Inhalten gefüllt werden.

28. November 2017

 

Von Tortugas fing es über 400km weiter in Richtung Norden. Las Pirkas, ein "ökologischer Park" in der Nähe von Jayanca war Ziel der Tagesetappe. Irgendwie passt hier in Peru "ökologisch" und der allgemeine Zustand des Landes nicht zueinander.  Je weiter wir nach Norden kamen, desto wilder wurden die Mülldeponien. Sogar innerorts türmte sich der Müll an den Straßen, einfach überall. Waren die Überlandstraßen in gutem Zustand, erinnerten sie in den Orten an einen zerbombten Truppenübungsplatz. Selbst in China waren die Straßen in besserem Zustand und sauberer. Hinzu kamen die vielen Busse und LKW, die ihren Beitrag zu einer grauen Dunstglocke über jeder größeren Ortschaft leisteten. Vor dem Hintergrund hatte die Anlage Las Pirkas Züge einer Fata Morgana. Schön war sie und wir konnten unsere Zelte direkt auf der Grünanlage vor der Rezeption aufschlagen. Hätten nicht bereits morgens um 2:00 Uhr lauthals krakeelende Vögel die Nachtruhe gestört, das wäre DIE Nacht geworden. So war sie leider kurz wie viele andere.

 

Am nächsten Morgen war es mal wieder Zeit. Zelt abbauen, Schlafsack und Isomatte verstauen, das Übliche. Lust hatte keiner darauf und die einsetzende Schwüle trug ihren Teil dazu bei.

Trotzdem schafften wir es noch vormittags los zu kommen. Die Straße wurde besser als erwartet. Zur Abwechslung gab es neben langen Gerade auch mal wieder Kurven. Je weiter wir nach Norden kamen, desto grüner wurde die Gegend. Reisanbau und Mangobäume prägten das Bild neben der Straße. 

In einem kleinen Ort unweit der Grenze zu Ecuador hielten wir an, um uns mit Obst einzudecken. Unglaublich wie lecker die Mangos und Bananen hier sind. Klar fielen wir auf wie die bunten Hunde. Das übliche "Woher, Wohin, Wie lange" ließ nicht lange auf sich warten. Umso größer war die Verwunderung der Mädels hinter dem Verkaufsstand, als wir sagen, dass wir weiter nach Ecuador wollten. "Gringos nach Ecuador???" kam die ungläubige Gegenfrage. Offensichtlich genießen die Amerikaner auch hier keinen besonders guten Ruf. -Nein, wir sind keine Gringos, wir sind Deutsche. -"Ahhhh, ok!" Komisch, Auf einmal war alles anders.

Egal, die Mangos waren -wie bereits erwähnt- sensationell und ehe wir noch mehr Aufmerksamkeit erregten, zogen wir weiter.

 

Die peruanische Grenze war fix passiert. Dokumente abgeben, Stempel in den Pass, gute Fahrt. Über eine Brücke erreichten wir Ecuador. Eine lange Schlange Menschen stand vor uns am Schalter. Irgendwie hatten wir bislang oft das Glück genau dann die Grenze zu erreichen, wenn ein Reisebus direkt vor uns dort ankam. So auch dieses Mal. Irgendwann löste sich die Schlange auf, wir waren an der Reihe. -Endlich. Nun nur noch schnell die Motorräder verzollen und dann los. Diese Rechnung hatten wir jedoch leider ohne den zuständigen Beamten gemacht. 

Während er hektisch kopierend, scannend und druckend in seiner Schießbude rotierte, fragten wir uns die ganze Zeit, warum er Dokumente auf den Scanner legen, herunternehmen, wieder auf den Scanner legen musste und so weiter. Mehrfach rannte er hektisch aus seinem Container zum in der Nähe stehenden Reisebus. Klappe auf, Klappe zu, hier mit einem Dokument wedelnd, da nach einer Nummer suchend. Es nahm schier kein Ende.

Nach etwa drei Stunden Warterei waren auch wir endlich an der Reihe. Während es beim Ersten noch eine halbe Stunde dauerte, wurden die Zeiten mit jedem von uns kürzer. Zwischenzeitlich war es dunkel geworden und vor dem Container machte sich unter den Wartenden Unmut breit. Die Mücken attackierten uns in Schwärmen. Zum Glück hatten wir die Motorradkombis an. Denn hier ist laut anderer Wartender Denguefieber Gebiet. Traumhaft! Das ist die Info, die man haben möchte, wenn man in Deutschland keine Impfung dagegen bekommen konnte.

 

Egal, Wir waren irgendwann, nach fast vier Stunden durch und hatten nur noch 9km bis zu unserer angepeilten Unterkunft. Die Straße schraubte sich durch den nächtlichen Urwald. Die auf uns einprasselnden Fliegenschwärme stellten sich schnell als einsetzender Regen heraus. Willkommen im Dschungel.

 

Rückspiegel

 

Am Ende war ich recht froh, dass wir aus Peru heraus kamen. Von den Ländern, die wir bisher hier in Südamerika bereist haben, gefiel es mir hier am wenigsten. Die Frage nach dem Warum ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen war der omnipräsente Müll überall, der fürchterliche Gestank und Dunst der Abgase in allen mittleren und größeren Orten und Städten, der abenteuerliche Fahrstil der Einheimischen in Kombination mit der totalen Ignoranz aller Verkehrsschilder ("Verkehrsregeln" lassen wir an der Stelle mal außer Acht). Das alles prägte mein Bild von Peru nachhaltig. Obwohl das einseitig ist und den Menschen, die wir trafen Unrecht tut, denn sie waren durch die Bank weg nett und freundlich. Lediglich vereinzelt wurden wir für "Gringos" gehalten und kritisch beäugt, was sich nach Aufklärung des "Missverständnisses" jedoch in der Regel schnell auflösen ließ.
Schon interessant was einige Nationen für einen Ruf genießen.
Am Ende war Peru ein Land der Vielfalt, jedoch hinterließen die vermüllten und tristen Orte, Stadtränder und Einöden ein wenig schmeichelhaftes Bild. Auch vermisste ich das Streetfood, das in Bolivien allerorten zu bekommen war. Auch der häufig stark touristische Anstrich war nicht unbedingt meins. Dafür war die Verfügbarkeit von Sprit im Gegensatz zu Bolivien überhaupt kein Problem, wenngleich er hier deutlich teurer war. 


Vielleicht ist meine Sicht auf Peru einseitig und nicht objektiv. Aber so habe ich das Land erlebt. Auf der Rückreise werde ich es noch einmal passieren. Eventuell lasse ich Katie auf einen Zug verladen und fahre selbst auch mit. Das wird davon abhängen wieviel von meinen Reifen noch übrig ist, bzw. wieviel Zeit ich dann habe, um nach Chile zurück zu kommen.

Was besonders in Perus Norden wirklich toll ist, ist die Vielfalt der Früchte, die man oft am Straßenrand kaufen kann. Mangos, so aromatisch und lecker wie ich sie noch nie erlebt habe, sogar Papayas hatten Geschmack. Gante LKW-Ladungen werden zu Erntezeiten an den Straßen verkauft und der Preis dafür ist -im Gegensatz zu z.B. Benzin, ein Witz. Beispiel gefällig? -Drei reife, nicht faserige Mangos kosteten 1 Sole. Umgerechnet 25 Eurocent...